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Volltext: Monatszeitschrift XXI (1918 / Heft 8, 9 und 10)

ersucht hierbei das Grazer Mittel um Verhelfung eines tüchtigen Gesellen, 
läßt im Jahre 1783 einen Jungen aufdingen und zugleich freisprechen und 
stirbt im Jahre 1806 im Alter von 66 Jahren. Wahrscheinlich hat der Gold- 
schmied Johann Georg Desselbrunner, der am 4. November 1802 die Gold- 
schmiedstochter Magdalene I-Iagner heiratete, das Geschäft Hagners über- 
nommen. Dieser vom Brucker Kreisamte in einem Berichte vom 17. Dezember 
1810 als „geschickt" bezeichnete Meister wurde von der Regierung nach 
Mariazell gesendet, um diejenigen Gold- und Silberschätze auszuscheiden, 
die infolge ihres Kunstwertes von der Ablieferung und Einschmelzung befreit 
werden sollten. 
In Cilli haben wir im XVIII. Jahrhundert verschiedene Goldschmiede, 
von denen nur die Namen bekannt sind. Im Jahre 182g befand sich dort 
der Silberarbeiter Johann Friedrich Schmid, ein Ausländer, der mehrere 
Jahre in Brüssel, Amsterdam und Paris als Geselle gearbeitet hatte. Sein 
Meisterzeichen befindet sich auf der Tafel des Punzierungsamtes in Graz 
vom Jahre 1828. 
In I-Iartberg lebte um das Jahr 1556 der bürgerliche Goldschmied 
Zacharias Wendeler und im Jahre 1781 der bürgerliche Silberarbeiter Josef 
Soyer, dessen Gerechtsame im Jahre 1786 an den Goldschmied Johann Georg 
Märhofer (Mayerhofer) überging. 
Von {der rührigen Stadt Judenburg wissen wir, daß dort im Jahre 1360 
der Goldschmied Chunz, im Jahre 1398 der Goldschmied I-Ilaus und im 
Jahre 1486 der Goldschmied Michell lebten. Auch soll es in dieser Stadt 
im XIV. und XV. Jahrhundert tüchtige Siegelstecher gegeben haben. Nach 
den Gewerbesteuerverzeichnissen der Jahre 174g bis 1754 des Judenburger 
Kreises und nach den Aufzeichnungen des Meisterbuches der Grazer Gold- 
schmiedeinnung der Jahre 1783 bis 1786 lebte um diese Zeit in Judenburg 
der geschickte Silberarbeiter Matthias Schachinger, dessen Gewerbe im 
Jahre 1789 an den Goldschmied Paul Baumhackl überging. 
In der Judenburger Pfarrkirche befindet sich eine alte Monstranz aus 
dem Jahre 1616, die nach einer Eingravierung und dem aufgeschlagenen 
Meisterzeichen M. G. S. im Jahre 1756 von Matthias Schachinger um- 
gearbeitet worden ist. Außerdem hat diese Kirche drei silberne Kelche mit 
demselben Meisterzeichen, wovon der eine noch das Judenburger Beschau- 
zeichen, den Judenkopf mit der darüberstehenden Zahl 13 (löfig), trägt. 
Dieser 27 Zentimeter hohe, sorgfältig getriebene Kelch von schöner, eben- 
mäßiger Gestalt (Abb. 12) ist mit geschmackvoll verteilten einfachen Oma- 
menten, bestehend aus getriebenem Kartuschwerk mit muscheligem Blatt- 
werk, geschmückt. Die symmetrische Anordnung der Verzierungen spricht 
für eine frühe Zeit des XVIII. Jahrhunderts, was aber in Anbetracht dessen, 
daß der Gegenstand in einer abgelegenen Provinzstadt angefertigt wurde, 
wo die strengeren Formen sich länger hielten, nicht stimmen muß. Die 
vergoldeten, gegossenen, fein ziselierten Medaillonbilder in den Maßen 3 zu 
4 Zentimeter am gezackten Fuße stellen den Judaskuß, die Geißelung und
	        

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