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Volltext: Monatszeitschrift XXI (1918 / Heft 8, 9 und 10)

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Hofseite des Österreichischen Museums 
Der größte Nachteil, der der Schule aus dem Raummangel erwuchs, 
war die Unmöglichkeit, den Unterricht werkstättenmäßig zu führen. Mitte 
der Siebzigerjahre wird der erste ernste Versuch gemacht, die Schule 
„nach der praktischen Seite hin auszugestalten", „das bisherige, mehr 
allgemein-künstlerische Gepräge des Unterrichtes zu einem spezifisch kunst- 
industriellen weiter zu entwickeln". Es wird ihr die vom Handelsministerium 
provisorisch ins Leben gerufene chemisch-technische Versuchsanstalt ange- 
gliedert; es werden Spezialateliers für das Studium einzelner kunstgewerb- 
licher Techniken errichtet. Umsonst. Sie haben keinen Raum zur Entfaltung 
und Erstarkung. Viele bröckeln ab, werden aufgelöst oder an andere An- 
stalten verlegt. Und so steht die Schule nach fünfzigjährigem Bestande als 
ein Bruchstück da. Ihre guten Leistungen auf einzelnen, eng begrenzten 
Gebieten sind lediglich Beispiele für das, was im allgemeinen zu leisten 
wäre. Sie gleicht einem jener japanischen Zwergbäumchen, die durch die 
Form ihres Stammes und Astwerkes den Werdegang langer Jahrzehnte 
erzählen, in ihrer absoluten Größe aber einen jungen Schößling nicht über- 
treffen. Diese Kümmerbäumchen sind Schmuckplianzen; einen Nutzwert 
haben sie nicht. ' 
Das sind in gedrängter Kürze die äußeren Schicksale unserer Anstalt 
während der 50 Jahre ihres Bestehens. Um die geistigen Wandlungen zu 
begreifen, die sie seit ihrer Gründung durchzumachen hatte, müssen wir 
uns die Denkweise der Epoche, der sie entstammt, vergegenwärtigen. 
Das vorige Jahrhundert war, bis weit über seine Mitte hinaus, eine Zeit, 
der im allgemeinen das Forschen und Wissen näher lag als das Schaffen, 
die, gewohnt, blindlings ihrer Bildung zu vertrauen, sich in die Arme der 
exakten Forschung und Wissenschaft erst recht hineinflüchtete, als ringsum 
die menschliche Erwerbsarbeit neue ungewohnte Methoden und Formen 
anzunehmen begann. Das _Leben und Wirken eines so starken, unabhängigen 
Geistes wie William Morris zeigt, wie betäubend die ungeheure Tatsache 
des rapiden Emporkommens einer maschinell arbeitenden Großindustrie mit 
allen ihren wirtschaftlichen und sozialen Folgen empfunden wurde, welche 
uferlosen Erwartungen dieses Ereignis auf der einen, welches unbegründete
	        

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