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Volltext: Monatszeitschrift XXI (1918 / Heft 8, 9 und 10)

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Arbeiten polnischer Künstler gefüllt, der oft Gutes bietet. Da ist ein schönes Bild Vlastimil 
Hofmanns („Krippe") neben frischen Arbeiten R. und Jadwiga von Tetmayrs zu sehen. 
Neben dem sinnigen, von Religiosität erfüllten und naiv empfundenen, klar und einfach 
dargestellten Werk I-lofmanns wirken die sonnigen Naturschilderungen jadwiga Tetmayrs 
wie das Weltkind neben dem Philosophen. Eine bäuerliche Sonntagsruhe A. Piotrowskis 
bringt wohltuende Innerlichkeit und Konzentration zum Ausdruck. 
An „Sammlung" fehlt es heute den meisten. Wo Kunst laut auftritt, lauert zumeist 
ein Zweck, eine Absicht, die verstimxnen. Die Verkaufsgelegenheit lockt die leichten, 
bequemen und gefälligen Nichtigkeiten und Flüchtigkeiten in Menge hervor. Zahllose 
Kunstläden bringen sie jetzt bereitwillig und erzielen materiellen Erfolg. 
Ähnlich ergeht es der alten Kunst. Die Auktionen lockten den Winter über den 
Privatbesitz an und das Zusammenströmen vieler Einzelgegenstände nährte eine große 
Zahl von Versteigerungen, die wohl eine Zerstreuung und Befriedigung für mäßige 
Ansprüche bildeten. Ernstere Sammlungen, Kunstwerke von höherem Wert sind jetzt 
äußerst selten bei uns zu finden, sie suchen zumeist deutsche Kaufkraft auf. Die Sammlung 
Thill, welche vielerlei kunstgewerbliche Arbeiten des Mittelalters und der Renaissance 
enthielt, bildete den Schluß der Auktionsserien und fiel dabei durch ihren Inhalt auf, obwohl 
sie wohl das Resultat einer tüchtigen und fleißigen, nicht aber einer bedeutenden Sammel- 
tätigkeit genannt werden konnte. Allmählich gewinnen jetzt auch Dinge an Wert, die bisher 
mit Unrecht geringgeschätzt wurden. , 
Nachdem die Neigung zu Prunkstücken vomehmer Lebensführung zu phantastischen 
Preisbildungen Ursache gab, ist auch der Hausrat des Mittelstandes und die volks- 
tümliche Arbeit im Ansehen gestiegen. Die Wertschätzung guter Handarbeit, gediegener 
Materialbehandlung und edler Formgebung wird auch dort gerechtfertigt sein, wo es galt, 
das tägliche Bedürfnis mittlerer Schichten der Bevölkerung zu befriedigen. Gerade solche 
Stücke sind es, die durch ihren starken handwerklichen Reiz und ihren gediegenen Ernst 
erziehlich wirken können. Darum ist 
es sicher von großem Wert, daß die - V 7 - 
Neigung zum Sammeln, die nun ein- e 
mal zu den Äußerungen der veränder- 
ten Lebensführung zählt, auf solche 
Stücke ausgedehnt wird, die als wahre 
Gebrauchsgegenstände edler Form 
ihren Zweck in schöner Weise erfüllten 
und nun zum Schmuck von Glasschrän- 
ken verrückten. 
Das „Sammeln", früher ein Vor- 
recht einzelner Begüterter oder leiden- 
schaftlich Begeisterter, welche Einzel- 
gebiete der großen Kunst, des Kunst- 
gewerbes mit Eifer und Gründlichkeit 
zu durchforschen suchten, hat sich als 
Tageserscheinung über so weite Kreise _ 
verbreitet, daß der Sinn dieser Tätig- v  
keit vielfach zu einem Zerrbild entstellt ' . i 
wurde. Für die meisten ist leider nur ' e- . 
 
das Naschen an reizvollen Früchten - ' _ v K"! I, 
alter Kunstfertigkeit, das oberflächliche z .  
Mitmachen einer verbreiteten Mode, '   
die Triebkraft. Wo aber die ernsthafte 
Beschäftigung mit dßm Gezßnßfwd Leopold Forstner, Fischerkapelle am Ochridasee (Österr. 
mangelt, fehlt auch die Gewähr für Museum) 
 
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