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Volltext: Monatszeitschrift XXI (1918 / Heft 8, 9 und 10)

Sein Sohn Friedrich Gilly gehört zu den genialen jünglingen der Epoche, die vor 
ihrer Vollendung starben, wie Novalis, Runge, Fohr. Die wenigen Bauten, die er aus- 
führen konnte, sind zum Teil schon wieder abgebrochen. Aber die Fülle seiner wahrhaft 
architektonischen Phantasie hat er in seinen Zeichnungen und Entwürfen ausgeschüttet. 
von denen das Projekt des Denkmals Friedrichs des Großen auf dem Leipziger Platz das 
gewaltigste ist und ein echtes Nationalheiligtum, des großen Preußenkönigs würdig. Der 
Geist der Zeit hat sich hier in gebändigten Massen, in weitausgreifender, stadtbaulich 
höchst genialer Anlage ein Denkmal geschaffen, das in griechischer Form empfunden. 
aber voll deutscher Größe und Empfindung ist; ein Seitenstück zu der großen Kunst 
A. J. Carstens', der fast zur selben Zeit wie Gilly starb und gleich wie er, nur früher 
entwickelt, das schwere Problem der klassizistischen Kunst löste und die Erreichung 
seines Ideals mit frühem Tode zahlte. Es sind die beiden Genien in der Kunst des 
erwachenden deutschen Volkstums: sehr bezeichnend und von ergreifender Tragik, daß 
gerade ihnen ein Vollenden ihrer hohen Ideen bei Lebzeiten versagt und durch einen 
vorzeitigen Tod- unmöglich gemacht wurde. 
Schinkel gehört nur mit wenigen ganz frühen Bauten (Schloß Buckow) in diesen 
Kreis, als er noch völlig unter dem Bann seines geliebten Lehrers Gilly stand. Seine 
spätere Entwicklung, nach zehnjährigem Ruhen architektonischer Tätigkeit, vollzieht sich 
ganz in den Bahnen der Romantik, deren erste Keime schon bei Gilly sich melden. Aber 
Heinrich Gentz kann als glücklichste Ergänzung zu den Gillys betrachtet werden; seine 7 
leider abgebrochene s Münze in Berlin und die Schloßumbauten in Weimar bedeuten 
wohl überhaupt das Vollkornmenste, was der Frühklassizismus wirklich geleistet hat; ab- 
gewogen und durchgebildet in reiner Schönheit. Ludwig Catel stand ihm mit Stuckarbeiten 
zur Seite. Auch ihn hinderten die schlimmen Zeiten an der Ausführung seiner schönsten 
Pläne; und er starb in seelischer Zerrüttung. Noch schwerer lag der Fluch der Epoche auf 
H. Chr. Genelli, dem begabten Freunde Carstens'; eigentlich steht nur Schloß Ziebingen 
als Beweis seiner baulichen Tätigkeit da. Freilich war er mehr kritischer Natur und 
förderte, wie Catel, die Ideen der Zeit durch seine theoretischen Schriften. 
Allen gemeinsam ist neben den rein architektonischen Verdiensten der Reichtum 
und die Klarheit der Formen, der Proportionen, der zweckmäßige Ausdruck, das {eine 
Verständnis für stadtbauliche Fragen und - etwas Neues und im romantischen Sinne 
Gelegenes - der Zusammenklang von Architektur und freier Landschaft. Hier haben sie 
die Traditionen der Barockzeit weitergeführt bis zu einem Punkte, da nach ihnen das 
Formenchaos einbrach und wir Heutigen wieder, mit neuem Gefühl für solche Werke 
des Räumlichen, an ihre Bestrebungen anknüpfen können. Paul Ferd. Schmidt 
EREINIGUNG VON FREUNDEN ASIATISCI-IER KUNST IM HAAG. 
Im Haag ist ein „Verein der Freunde asiatischer Kunst" gegründet worden. Sein 
Zweck ist die Hebung des Studiums und der Kenntnisse ostasiatischer, vorder- und 
hinterindischer und indonesischer Kunst. 
Der Verein ist bestrebt, dieses Ziel durch die Veranstaltung von Ausstellungen, 
Vorträgen, Zusammenkünften und Exkursionen, durch die Herausgabe von Veröffent- 
lichungen und die lnventarisation der asiatischen Kunstschätze in Holland und seinen 
Kolonien und durch Gründung eines Archivs von Abbildungen und Druckschriften zu 
erreichen. 
VIER JAHRE KÜNSTLERFURSORGE. Das Künstlerfürsorgekomitee 
(Aktion zur Unterstützung der durch den Krieg in Not geratenen bildenden Künstler), 
dem Vertreter der Künstlergenossenschaft, der „Sezession", des „Hagen-Bundes" und des 
Bundes österreichischer Künstler angehören, versendet den Bericht über seine nunmehr vier- 
jährige Tätigkeit. Es sind in x80 Sitzungen 643g Unterstützungsansuchen von 834 Künst- 
_ lem (616 Malern, 162 Bildhauern, 56 Architekten) mit dem Betrage von 328.236 Kronen 
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