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Volltext: Monatszeitschrift XXII (1919 / Heft 3, 4 und 5)

der Künstler zu wiederholen leider für gut fand. In einer Sonderausstellung sieht man 
nun, wieviel mehr er eigentlich uns bringen könnte. 
RANZ METZNER. Ein Künstler von klarer und starker Art ist mit Franz Metzner 
zu früh heimgegangen. Als er seine österreichische Heimat verließ, in der ihn seine 
"künstlerischen Freunde auf ihr Schild gehoben hatten, war es ein Ruf von starker Werbe- 
kraft, der ihn zu den Arbeiten für das Denkmal der Völkerschlacht bei Leipzig führte. Das, 
was in seinem Wesen lag, das Drängen nach einfachstem, geschlossenstem Ausdruck, 
wuchtiger und elementarer Formgebung, führte zur Monumentalplastik. Er hat seiner 
Heimat das Stelzhamer-Denkrnal (Linz) und das noch unvollendete Lessing-Denkmal 
(Wien) hinterlassen. 
Bruno Schmitz fand in Metzner den besten Werkgenossen, der die Wucht und Größe 
seiner Denkmalentwürfe mit plastischem Schmuck von größter Wirkung auszugestalten 
vermochte. So das Hamburger Bismarck-Denkmal. Es war eine Zeit, in der die alte 
germanische Urkraft ins Überlebensgroße wachsen wollte, in der auch für den Bildhauer 
die Steinmassen nie groß genug, die Gestalten nicht genug elementar und gewaltig aus- 
fallen konnten, um seinem ungestümen Schalfensdrang zu genügen. 
Metzner lebte sich aus in Giganten und l-Ieroen, die in ihrer Gebundenheit an die 
besten ägyptischen und assyrischen Kolossalplastiken heranreichten. Er hat den Zu- 
samrnenbruch dieses geistigen und künstlerischen Aufschwunges miterleben müssen. 
Sein Werk wird aber den Niedergang überdauern und hoffentlich einem neuen Auf- 
streben jener germanischen Kraft und Tatenlust voranleuchten, denen es ein Symbol 
gewesen ist und denen es eine Mahnung zum Zusammenschluß und zur Selbstbesinnung 
geschaffen hat. 
HANDZEICHNUNGEN ALTER UND NEUER MEISTER BEI DR.  
SCHWARZ. Eine Sammlung von zirka einem halben Tausend zumeist älterer 
Handzeichnungen ist durch Dr. Schwarz zur Versteigerung gelangt. Die Ausstellung dieser 
Blätter vor der Auktion bot einen seltenen Genuß zu einer Zeit, wo unter der Flagge der 
Kunst so viele Piratenschiffe segeln. 
Was hier zusammengetragen war, machte den Eindruck andächtiger Sammlerliebe, 
die verständnisvoll gewähltes Kunstgut aneinanderschloß. Nicht höchste Werte, nicht 
prunkende Namen, nicht auserlesenste Glanzstücke machten den Wert der Sammlung aus. 
Und doch war den meisten Blättern jener warme persönliche Reiz eigen, der aus den 
Entwürfen, Studien, Notizen ernster Künstler stets zu uns spricht. Es fehlten frühe 
Meister und ganz moderne - bis auf ein schönes Blatt Max Klingers, das sich den alten 
Meistern trefflich anschloß. 
Die Blüte- und Spätzeit der Renaissance Italiens, die mit ihrem markigen Federstrich 
so recht die „Handschrift" in der Zeichnung auszudrücken liebte; der die Zeichnung nicht 
Selbstzweck, sondern nur Gedächtnishilfe war, bildete den Hauptinhalt der ältesten Gruppe, 
in der einige saubere Niederländer und sorgfältig überlegende deutsche Meister ein gutes 
Gegenstück zur freien und kühnen Art der Italiener gaben. 
Einen breiteren Raum nahmen dann die französischen und deutschen Meister des 
XVII. und XVlIIJahrhunderts ein, die in der Zeichnung schon das abgeschlossene Kunst- 
werk liebten, wie dies in einer aquarellierten Federzeichnung von j. B. Huet sehr gut zum 
Ausdruck kam. Auch jene weichen Rötelzeichnungen, die farbig und lebendig wirken und so 
ein Fertiges auch durch ein Bruchstück, eine Studie bringen, waren mehrfach gut vorhanden. 
Kompositionen, Entwürfe zu Wand- und Deckenbildern wechselten mit Landschaften, 
denen auch der Stift gerecht zu werden vermag. Die große Rolle, welche das Figuren- 
reiche, repräsentative Bild in jener Zeit zu spielen hatte, war in mannigfaltigen guten 
Blättern ausgedrückt. Man konnte in der ganzen Sammlung fühlen, daß ihr Besitzer edlen 
Genusses fähig war und für sich selbst, zu seiner Freude das Tüchtige und das Bedeutungs-
	        

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