MAK

Volltext: Monatszeitschrift XXII (1919 / Heft 3, 4 und 5)

zu hemmen und verborgenen 
Frevel zu ahnden bereit ist. Auf 
dem Fußgestell stehen die Worte: 
IVSTAM EVROPAE PACEM. 
Einen gerechten Frieden für 
Europa." Die Entstehungsge- 
schichte dieser Gruppe ist nicht 
ohne Komik: Nach Ausweis des 
alten Modellbuches der Manu- 
faktur ist sie nämlich schon drei 
Jahre vor dem Abschluß des so 
wenig rühmlichen Baseler Frie- 
dens im Juli 1792 entstanden. 
Ursprünglich sollte sie die Ver- 
mittlerrolle verherrlichen, die 
Friedrich Wilhelm IIV. bei dem 
Frieden von jassy, der den 
Kämpfen Österreichs und Ruß- 
lands gegen die Türken ein Ende 
machte, übernommen hatte. 
Da jedoch wenige Wochen spä- 
ter die Wirren der französischen 
Revolution den ersten Koalitions- 
krieg heraufbeschworen, hatman 
offenbar das Modell, das den 
König als Friedensbringer feiert, 
Abb. 27. Prinzessin Friederike, Gemahlin des Prinzen Louis, 
zurückstellen müssen, bis es r7g5 Modell 2.292, um. ]. c. Schadow, Berlin, m74, neue Aus- 
wieder einigermaßen „aktuell" fommmg 
wurde. Ein huldvolles Kabinettschreiben des Königs ermächtigt den Minister 
von Heinitz. „die an diesem Stücke gearbeiteten Künstler zu Hattieren und 
aufzumuntern". Mit einem Kompliment gegenüber dem Herrn Rektor Scha- 
dow, mit der Verleihung der Preußischen Medaille und einem Ehrenhonorar 
für Schwarzkopf entledigt er sich dieses willkommenen Auftrages. 
Durch die ganz bildnismäßige Auffassung der Persönlichkeit Friedrich 
Wilhelms II. ist dieser Gruppe trotz des reichlichen allegorischen Beiwerks 
eine Intimität verliehen, die ihr einen eigenen Reiz gibt. Der Statuette des 
kunstsinnigen Königs in diesem Modell möchte man unbedingt den Vorzug 
geben vor der I793 in der Manufaktur angefertigten Bildnisbüste (Abb. I5) 
des Königs, in der Riese (oder Schwarzkopf?) die meisterhafte Marmorbüste 
des Berliner Schlosses doch nur sehr unvollkommen wiedergegeben hat. 
Sie zeigt die Unzulänglichkeit der Manufakturbildhauer jener Zeit gegenüber 
einer verhältnismäßig so einfachen Aufgabe in erschreckender Weise. 
Daß dem Porträtbildhauer Schadow der Rang des großen Meisters 
niemals bestritten werden kann, das bringen uns, obwohl die Feinheiten des
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.