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Volltext: Monatszeitschrift XXII (1919 / Heft 3, 4 und 5)

Die erwähnten beiden Büsten haben bei 
der Herstellung des Modells für die Por- 
zellanmanufaktur dem Manufakturbildhauer 
Schwarzkopf, dem sie zuerst übertragen 
wurden, in seinem Atelier zur Verfügung 
gestanden, während das große Gipsmodell 
der Gruppe nicht dorthin geschafft zu sein 
scheint. Auf die Benutzung der Büsten wurde 
Schwarzkopf nach Auskunft der Konferenz- 
protokolle vom Minister von Heinitz, der 
allwöchentlich die Künstlerwerkstätten der 
Manufaktur zu besuchen pflegte, „zwecks 
Effektuirung mehrerer Ähnlichkeit" wieder- 
holt hingewiesen. Schwarzkopf war jedoch 
der Aufgabe so wenig gewachsen, daß der 
Rektor Schadow, dessen „Sentiment" darüber 
von Heinitz eingeholt würde, seinen Schüler 
Hagemann mit der Anfertigung der Kopie be- 
auftragte, der dann unter seiner persönlichen 
Aufsicht im Juli 1796 die Arbeit zur vollsten 
Zufriedenheit des Ministers beendete. In den 
Rechnungsakten der Fabrik ist Hagemann 
unter dem 5. August 1796 mit einem Betrage 
von 60 Reichstalem „für das unter Aufsicht 
von Herrn Rector Schado und nach dessen 
Original verfertigte Modell" aufgeführt. Das 
erste wohlgelungene Biskuitexemplar wurde 
dann, nachdem der erste Brand „etwas zu 
bläulich" ausgefallen war, am 21. Dezember 
1796, also wohl als Weihnachtsgabe, an das 
Hofmarschallamt abgeliefert. Von der er- 
wähnten Bildnisbüste der Prinzessin Frie drike, 
nachmaligen Königin von Hannover, die mit 
größerer Anmut und Unbefangenheit dem 
Künstler auch ihre Seele erschlossen hat," hat 
die Manufaktur in späterer Zeit (1874) eine 
Biskuitausformung(Abb. I7) anfertigen lassen, 
die ihren bezwingenden Reiz ungeschmälert 
wiedergibt. 
Eine Wiederholung des Luisen-Porträts, 
in dessen Ausdruck wir eine gewisse Zurück- 
' Vgl. die einleuchlenden Ausführungen hierüber von 
P. Seidel: „Die zeitgenössischen Bildnisse der Königin Louise" 
im Anhang zu Paul Bailleu, „Königin Luise. Ein Lebensbild", 
Berlin xgnß, Seite 3545. 
vs 
Abb. 24. Victoria zum Tafelservice für 
den Herzog von Wellington. Modell 1478, 
nach j. G. Schadow, Berlin, 181g (Samm- 
lung Fräulein Flinner, Halensee)
	        

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