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Volltext: Monatszeitschrift XXII (1919 / Heft 3, 4 und 5)

Denn die Fabrikakten lassen erkennen, daß ihre künstlerische Leitung nicht 
ganz unschuldig an dieser Arbeit Schadows gewesen ist, und die Vermutung 
liegt nahe, daß er mit der Überweisung dieser Blätter, die auch in den 
Rechnungsakten nicht aufgeführt sind, ihr seinen Dank hiefiir abgestattet 
hat. Die Manufaktur besitzt nämlich eine Folge von zehn kleinen Aquarellen 
des Malers und Kupferstechers Anton Wachsmann nach Attitüden der 
Vigano, die wahrscheinlich als Vorlagen für die Bemalung des Kaffee- 
geschirrs benutzt worden sind und von denen eines den Modellmeister 
Riese zur Modellierung eines 
Figiirchens angeregt hat, welches 
eine scheinbar besonders be- 
liebte Pose der Tänzerin, die die 
Vorstellung des Entschwebens in 
den unendlichen Raum erzeugt, 
wiederzugeben versucht. Diese 
kleine Statuette hatte zwar „die 
ganz besondere Satisfaktion" des 
Ministers Freiherrn von I-Ieinitz 
gefunden und war auch von der 
Kronprinzessin Luise wiederholt 
zu Geschenkzwecken bestellt wor- 
den. Als aber der „Maitre des spec- 
tacles" Friedrich Wilhelms II., 
Kammerherr Baron von der Reck, 
der Madame Vigano ihre „Re- 
presentation in Porzelain" vor 
Augen führte, war die schöne 
Tänzerin von diesem Konterfei, 
dessen künstlerisches Verdienst 
in der Tat sehr bescheiden ist, 
Abb. 44. J. G. Schadow: Vorlage für die Bemalung von Pfei- keineSWegS entzückt  fand  
fenköpfenüilnayBleisiift,i8ne,Höhe22'z,Breite15'9Zemi- Stellung „nicht natürliche: und 
meter (Bibliothek der Berliner Porzellanmanufaktur) , _ , _ , 
erbot sich, „sich in richtigen 
Stellungen zu presentieren". „Welches dann", wie die Akten der Manufaktur 
weiter berichten, „Seiner Excellenz (dem Freiherrn von Heinitz) zu dem 
Wunsche die Veranlassung gab, daß diese Attitüden von einem geschickten 
Zeichner, etwa von einem Heusinger oder noch besser von Herrn Rector 
Schadow, wie die der Lady Hamilton nach Rehberg executiert werden 
möchten." Gottfried Schadow, dem wohl dieser Order des Ministers gemäß 
zuerst das Anerbieten gemacht wurde, hat die willkommene Gelegenheit, die 
Kunst der vielbewundertenTänzerin und ihres Partners mit Muße zu studieren, 
mit Freuden ergriffen. Welches Interesse er an den Tänzen der Viganos nahm, 
beweisen bereits folgende Notizen, die er nach dem Besuch der „durch die 
Anwesenheit des H. und der Madame Vigano verherrlichten Oper ,Arianna"' 

	        

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