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Volltext: Monatszeitschrift XXII (1919 / Heft 3, 4 und 5)

Sammlung im Potsdamer Antikentempel, die er seinen Schüler Hagemann 
unter seiner Aufsicht vornehmen ließ, und von „Glieder Figuren" für Gewand- 
studien dem Klassizismus in der Manufaktur zur Herrschaft verhalf. Auch 
nahmen die Modelleure der Manufaktur, zum Beispiel Schwarzkopf, an 
Schadows Unterricht „im Zeichnen nach anatomischen Grundsätzen und 
nach dem Leben, desgleichen im Gruppieren und Drappieren" teil." 
Und die Konferenzprotokolle der Manufaktur bezeugen wiederholt, 
daß er gern von Heinitz zur Beurteilung neuer, im Entstehen begriffener 
Modelle der Manufakturbildhauer, gewissermaßen als oberste ästhetische 
D. Chodowiecki und die beiden Herren Rektoren Schado und Frisch, mit Zuziehung meiner, bey dem Gipsgießer 
Seewaldt, die auf beyliegenden zwey Verzeichnissen unterstrichenen Statuen gewählt. Die zwey Statuen in 
Lebensgröße, welche nur für die Akademie gewähltworden, könnten auch wohl der Poreellain Manufaktur nützlich 
seyn, mehr aber noch dadurch, wenn diese Statuen ins Kleine copiert würden. Denn diejenigen, welche danach 
Bossieren, oder was noch besser wäre, sie fürs Porcellän ins kleine kopieren sollen, diese müssen ihre Vorbilder 
bequem von einem Ort zum andern bringen, und in ein vortheilhaftes Licht vor sich auf den Tisch setzen können, 
welches aber bei Figuren von solcher Größe nicht immer wohl angehen möchte. Herr Hagemann, welcher seine 
Fähigkeit hierzu, durch den vorgezeigten eopierten Discobol bewiesen hat, könnte auch diese zwey großen 
Gips-Statuen copieren. Ew. l-Iochfreiherrliche Excellenz erlauben mir bey dieser Gelegenheit den Vorschlag, 
den ich in der Conferenz den 5. ]anuar gethan habe, anjetzt wiederum in Erinnerung zubringen, nemlich: 
Die besten antiken Statuen. welche hier in Berlin, in Charlottenburg und in Potsdam befindlich sind, nach 
und nach copieren zu lassen; und vorzüglich die 
bekleideten Statuen, der Hygea und des Aesculap, 
welche zu Charlottenburg im Schlosse stehen, 
könnte man ohnmaßgeblich den Anfang machen. 
Es sind außer der berühmten Flora farnese, sehr 
wenig schön bekleidete oder mit Gewand bedeckte 
Statuen in Gipsausgüssen bekannt, und die Künst- 
ler fühlen diesen Mangel mehr als zu sehr. Durch 
Herbeyschatiung solcher Copien würde das Stu- 
dium, nemlich den Schnitt und Wurf der Toga, der 
Tunica, Sagum und Pallium näher untersuchen zu 
können, sehr erleichtert werden. Solche Statuen 
hat sich H. Hagemann erbothen, in einer Höhe 
von etwa zwey Fuß, genau zu copieren. Da aber 
seine Umstände nicht so beschaffen sind, daß er 
dieses nützliche Vorhaben für sich zu unter- 
nehmen, viel weniger auszuführen im Stande ist, 
so bittet er um eine mäßige Unterstützung. Für 
diese Unterstützung will er der Akademie seine 
verfertigten Copien gänzlich überlassen, um sich 
die Gelegenheit dadurch in seiner Kunst voll- 
kommener zu machen, als seinen größten Verdienst 
anrechnen. 
Diese verfertigten Copien könnten dann 
geformt und durch Ausgüsse vervielfältigt werden. 
Es ist gewiß, daß diese Ausgüsse nicht nur der 
Akademie und der Porzellän Manufaktur für die 
Kunst nützlich sein würden, sie würden auch, 
wenn es mit Bedacht angefangen wird, beyden 
Kassen nützlich seyn. 
Berlin, den izjänner 1793. 
j. W. Meil jun." 
(Folio 47 8 läßt das Einverständnis des 
Ministers von I-Xeinitz und das Zustandekommen 
des Vorschlages erkennen.) 
"K Vgl. Registratur der Porzellanmanufaktur, 
Acta Porzellanmanufaktur-Kommission, die Offi- Abb.3. ZumTafelaufsatz„Das Reich derNatur", Neptunus, 
zianten . . . betreffend, V 64, Nr. 33b. Modell m55, nach J. G. Schadow, Berlin x79: 

	        

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