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Volltext: Monatszeitschrift XXII (1919 / Heft 3, 4 und 5)

Wolken - Ähnlichkeit zeigen, so 
daß wir wenn auch durchaus nicht 
an eine Künstlerhand, so doch an die 
Entstehung beider Werke in einer 
Schule denken können. Das Relief 
der Estensischen Sammlung ist 
signiert: „Tomas Amantinus Urba- 
nium f." Dadurch ist auch für unser 
Relief die Zeit und die Landschaft, in 
der es entstanden ist, gegeben. Es ist 
um die Mitte des XVII. Jahrhunderts 
in Rom oder unter dem Einflusse 
Roms verfertigt worden. Amantini 
Tommaso, Bildhauer und Töpfer aus 
' Urbania, Schüler Vasajo Bartoccinis, 
lebte später im Hause des Malers 
Federigo Gioja in S. Sepolcro. Von 
r642 bis 1648 Kunsttöpfer in Urbania, 
geht er dann nach Rom und wird 
1660 als Schüler des Bildhauers 
Ercole Ferrata erwähnt, in dessen 
Auftrage er, gemeinschaftlich mit 
Abb 3x Madonna wie" zwei" Häute des dem Mailänder Stuccatore Francesco 
Xgm", Jahmunäem(äsmnMuseum) Agustone, die Stuckarbeiten in der 
Kathedrale zu Osimo ausgeführt hat. 
Aus dem Jahre 1675 datiert die letzte urkundliche Nachricht, und zwar er- 
hielt er damals von der Compagnia della Grotta zu Urbino Auftrag und 
Handgeld zur Ausführung eines großen Terrakottareliefs, das die Geburt 
Christi darstellen sollte, der Künstler starb jedoch noch vor der Vollendung 
seines Werkes. 
Sehr malerisch in der Anordnung ist ein kleiner, holzgeschnitzter 
und bemalter Wandaltar aus Tirol (70 Zentimeter hoch), der in der Mitte 
zwischen Säulen die Madonna mit dem Kinde trägt, die von fliegenden 
Engeln gekrönt wird (Abb. 23). In dem stark barock bewegten Giebel- 
aufsatze Gott Vater segnend in der Mitte und sitzende Engel auf den Seiten. 
Rechts und links der Madonna auf Voluten mit Postamenten stehende 
Engelsfiguren. Das Altärchen trägt die Inschriften: „Dieses Altarl Gott und 
Mariaen Lob", ferner die Buchstaben T. B. R. und O. R. R. und die Jahres- 
zahl M D. C. L. VII. 
Eine eigentümliche Technik zeigt eine plastische Gruppe aus dem 
bethlehemitischen Kindermord: Ein römischer Krieger, den Helm auf dem 
Haupte, in rotem Gewande mit blauem Gürtel, trägt vier geraubte Kinder in 
seinen Armen. Das eine, noch in Windeln, hängt, in ein blaues Tuch gebun- 
den, an seiner Hand, die anderen, die nackt sind, lebhafte Geberden der 

	        

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