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Volltext: Monatszeitschrift XXII (1919 / Heft 3, 4 und 5)

Angst machen und weinen, drückt er fest an die Brust. Neben ihm steht in 
starker Bewegung, die Beine gespreizt, ein anderer Soldat in Helm und 
Panzer, mit einem Rocke über der Rüstung und langen blauen Hosen, und 
greift mit der Hand nach einem Kinde. Zu dieser Gruppe hin schreitet hände- 
ringend eine Mutter, bekleidet mit Haube, roter Jacke, gestreiftem Rocke und 
grünem Gürtel, und sieht mit weit geöffnetem Munde schreiend auf die ge- 
raubten Kinder (Abb. 24). 
Die Figuren, 21 Zentimeter hoch, sind aus Lindenholz geschnitzt, die 
Gewänder aus Leinwand modelliert, die vor dem Drapieren in Leim und 
Gips getränkt wurde. Eine äußerst naturwahre Bemalung erhöht den Reiz 
dieser Darstellung. 
Die Gruppe ist einer Weihnachtskrippe entnommen und, wie wir sowohl 
aus der eigentümlichen Technik sowie aus dem Sujet, dem „bethlehemi- 
tischen Kindermord", ersehen, Sizilianischer Herkunft. Wie Georg Hager in 
seinem Werke „Die Weihnachtskrippe" ausführt, ist ein „Charakteristikum 
der Sizilianischen Krippe die Vorliebe für Kindermordszenen. Der bethlehe- 
mitische Kindermord spielt schon in den ältesten liturgisch-dramatischen 
Weihnachtsfeiern eine Rolle, er findet dann auch in den volkstümlichen 
Weihnachtsspielen seinen Platz und wird. hier sogar sehr realistisch 
dargestellt. Manches Motiv mag aus diesen Aufführungen in die bildende 
Kunst übergegangen sein. Als Bestandteil des dramatischen Weihnachts- 
zyklus wird der Kindermord naturgemäß auch in der Krippe vorgeführt." In 
manchen Gegenden ist dieser Gegenstand in den Krippen ganz unbekannt. 
Während die Darstellung des Kindermordes in einigen Krippen Alt-Mün- 
chens vorkommt, scheint sie in Neapel ganz vernachlässigt worden zu sein. 
In der Krippen- 
Sammlung, die 
ein Münchener 
Bürger namens 
Schmederer dem 
Bayerischen Na- 
tionalmu seum ge- 
schenkthatjndet 
sich eine größere 
Anzahl solcher 
Kindermord- 
szenen oder ein- 
zelnerFiguren aus 
diesem Kreise, 
alle „im vollsten 
Realismus der ver- 
schiedenen Mo- 
mente des grau- 
sigen AKtCS". Abb. 3:. Nymphe mit Hund, von Georg Raphael Donner (Österr. Museum) 

	        

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