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Volltext: Monatszeitschrift XXII (1919 / Heft 3, 4 und 5)

auch die Stilkritik, sollte man 
an der Richtigkeit der Aus- 
legung der Signatur zweifeln, 
uns dieses Relief als eine Ar- 
beit Giulianis erkennen läßt. 
Giuliani ist zu Venedig 
1663 geboren und im Jahre 
1744 in Heiligenkreuz, wo er 
34 Jahre als „convittore" 
gelebt hatte, gestorben. Von 
1680 bis 1690 war er Schüler 
des I-Iofbildhauers Andreas 
F eistenberger in München, bei 
dem er schon vor seiner Be- 
rufung als kurfürstlicher Hof- 
bildhauer nach München in 
Tirol gearbeitet hatte. Er ging 
dann nach Wien, wo er zahl- 
reiche Arbeiten ausführte, 
reiste später mit dem Fürsten 
Franz Liechtenstein nach 
Venedig und verweilte hier 
eine Z eitlang bei seinen Eltern. 
Nach Wien zurückgekehrt, 
fand er keine Beschäftigung 
und ging nach Augsburg, von 
wo er endlich zu bleibendem 
Aufenthalt wieder nach Wien zurückkehrte. Von seiner Frau geschieden, 
zog er sich x71o nach Heiligenkreuz zurück, wo er auch starb und in 
der Kirche begraben wurde, in der sein Grabstein gegenüber dem Martino 
Altomontes an dem rechten Pfeiler unter dem Musikchor angebracht ist. 
Das zweite Werk Giulianis im Besitze des Österreichischen Museums 
ist eine Gruppe aus farbiger Terrakotta: Veritas und Chronos: die Zeit 
enthüllt die Wahrheit, indem sie die Hülle, die die Wahrheit bedeckt hat, 
emporhebt. Auf einem Felsen stehen die beiden Figuren, für die Rundsicht 
in wahrhaft barocker Art auf die malerische Erscheinung hin komponiert 
(37 Zentimeter hoch) (Abb. 27). 
Die Veritas, eine nackte jugendliche Mädchengestalt, trägt blondes, 
gescheiteltes Haar, das, zu einem Bündel am Kopfe zusammengefaßt, einige 
Locken über die Schulter fallen läßt. Sie steht auf dem rechten Beine, hat 
das linke auf eine Felsstufe gesetzt und dreht den Körper nach links, wodurch 
die Hüfte stark betont wird. In der Linken hält sie ein offenes Buch, in dem 
eine Sonne - als Symbol der Wahrheit - und die Inschrift „Veritas" gemalt 
ist, auf die sie mit der rechten Hand hinweist (der Zeigefinger dieser Hand ist 
 
Abb. 34. Herkules vom Denkrnalsenxwurf Katharina II. von Ruß- 
land, Wien, 178a bis x7go (Öslerr. Museum)
	        

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