MAK

Volltext: Monatszeitschrift XXII (1919 / Heft 3, 4 und 5)

Meisters im wesentlichen nur auf jene 
prunkvollen und pompösen Dekorations- 
gegenstände, die Andrea (wenn man den 
Nachrichten Glauben schenken darf) in 
24jähriger Arbeitszeit für den Palast des 
venezianischen Adeligen Pietro Venier di 
San Vio verfertigte. Auf Grund eines 
Legates des Grafen Contarini, in dessen 
Familienbesitz die Möbel gelangt waren, 
an die venezianische Stadtvertretung war 
der ursprüngliche Bestand des umfang- 
reichen, aus etwa vierzig Einzelstücken 
bestehenden Werkes vor Zerstörung und 
Zerreißung gesichert. 
Aber selbst mit ihrer vornehmen - 
freilich etwas beengten - Aufstellung in 
einem ihnen eigens eingeräumten Saale 
des Museo Correr blieb doch die Beach- 
tung, die sie verdienten, aus. Denn das 
Untektonische und Unorganische dieser 
Kunst, das bedenklich nahe an die Gren- 
zen reichte, wo anmaßende Geschmack- 
losigkeit und der Begriff des Kunststückes  
beginnen, konnte nicht bei allen Gefallen 
erregen; um so mehr als diese kühle Auf- 5""'3""B'"s'""1f,;,'f,3g",jf" für eine Kawa- 
nahme durch die Anpreisung schwäch- 
licher Kopien nach diesen Schaustücken und Möbeln in den Kaufläden des 
Markusplatzes noch verstärkt wurde; Nachahmungen, die in dem Geschmack 
des kunstreichen Makart-Zeitalters, den kunstfremde, geschäftige Leute 
degradierten und unter sein künstlerisches Niveau herabdrückten, Nahrung 
und Gewinn zu finden suchten. Erst eine nähere unbefangene Betrachtung 
der Details, die ein ungewöhnlich hohes technisches Können und ungemein 
feine und schöne Einzelheiten aufdeckten, ließ ein Gefühl der Befriedigung 
aufkommen und bekräftigte die Tatsache, daß Brustolon mit diesen Arbeiten 
den Rang eines bedeutenden Bildhauers erreichte. 
In der Tat, es ist ein höchst phantastischer und prächtiger Eindruck, den 
die verschiedenen Bestandteile dieser Saaldekoration erwecken (Abb. x). Man 
bemerkt: wie Brustolon deutlich bestrebt war, das Rustikale dieses vornehmen 
Schmuckes mit äußerlichen, naturalistischen Mitteln hervorzukehren; wenn 
etwa die Platte, die ein von Zerberus und Hydra umgebener Herakles stützt, 
einem unbehauenen dicken Brettstücke gleicht," das, als sei es eben aus dem 
Walde herbeigeschleppt, ganz zufälligerweise in dieses Schaustück einge- 
paßt wurde. Und Brustolon verschmäht es nicht, uns in der Täuschung zu 
" Hier ist die Signatur angebracht: „Petri Venerii iussu Andreas Brustoloni fecit." 

	        

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