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Volltext: Monatszeitschrift XXII (1919 / Heft 3, 4 und 5)

belassen, daß die ungeglätteten Kanten und Bruchstellen, an denen da und dort 
eingenistetes Moos und Blattwerk nicht entfernt scheint, die Einschlagstellen 
des Beiles noch erkennen lassen." Und ferner wie merkwürdig der Dienst, 
den diese Schaustücke erfüllen! Alle Bestandteile: die nackten Negerstatuen, 
die Gestelle, deren Körper die in ein Gewirr von Ranken und Sinnbildem ein- 
gebetteten Darstellungen der Jahreszeiten und der Elemente beherbergen," 
die Mittelgruppe, auf deren Auflagefläche liegende Meergreise (in der Art 
Berninesker Brunnenfiguren) und kauemde kettenbehängte Mohrensklaven 
(vom Schlage der Eckgestalten des Livomeser Denkmales Taccas) gesetzt 
wurden - sie alle dienen ohne Ausnahme als Träger für kostbare chinesische 
und japanische Vasen, für deren Aufnahme sie gewölbte Muscheln bereit- 
halten. Die Farbentönung des ganzen Interieurs sollte in der Kontrastwirkung 
der dunklen, aus Ebenholz und Buchsbaum gefertigten Gegenstände und 
der hellen und buntbemalten Körper der Vasen, deren Dekor in den mit 
farbigen Mustern und Figuren durchwirkten Gobelinstoffen der Thronsessel 
eine ähnlich koloristisch gleichklingende Note als Folie fand, zu einer prunk- 
vollen Feststimmung gesteigert werden. Ihre Schaustellung in einem weiten 
und lichtdurchflossenen Empfangssaale, dessen Plafond barocke Decken- 
malereien der Cortona-Schule und schwere Stuckverkleidungen bedecken, 
dessen Wände reichproiilierte Türumrahmungen und ligurengeschmückte 
Kamine gliedern, würde - im Gegensatz zu dem beengten und allzu 
' schlichten Aussehen des Raumes im Museo Correr - ihre imponierende 
Wirkung erst zur völligen Geltung bringen. 
Eine erstaunliche Beherrschung des Materials offenbart sich dem Be- 
schauer, der vorzüglich von der vortrefflichen Bildung des nackten Körpers 
berührt sein wird, wie dies die Frauenakte an den Armlehnen der Thron- 
sessel oder die breitbeinig hingestellten Nubierkaryatiden beweisen. Der An- 
blick der zuletzt genannten Figuren""'"" aber überzeugt uns deutlich von dem 
Einflüsse, den Brustolon von ägyptischen Kolossalfiguren erfuhr; oder viel 
mehr noch von jenen ägyptisierenden Statuen der römischen Kaiserzeit, wie 
sie etwa in der Villa Hadriana gefunden wurden. Das streng frontal gehaltene 
Stellungsschema mit dem vorgesetzten Fuße, die symmetrisch halb aufge- 
hobenen Arme sind Züge, die eine solche Annahme erhärten, und die schwarze 
Farbe des geglätteten, die Lichtstrahlen reflektierenden Ebenholzes nähert 
die erzielte Wirkung jenen Vorbildern, die aus schwarzem Marmor, aus Ba- 
salt oder Porphyr gearbeitet waren. Überhaupt war die beliebte Darstellung 
von Mohren und Negern ein typisch venezianischer Zug (Grabrnäler). Moritz 
Dreger hat diese Erscheinung ganz fein charakterisiert, wenn er meint, daß 
diese Gestalten „mit ihrer dunklen Farbe und ihren herausleuchtenden Augen 
"f Man beachte eine ähnliche Hervorhebung dieses Naturalismus an den Siuhlgestellen der dieser Saal- 
dekorstion zugehörigen Thronsessel. Es soll der Anschein erweckt werden, als ob die Fülle aus rohen Ästen 
bestünden. deren Jahresringe an den sbgesägten Schrägilächen noch sichtbar sind. 
"f Sie sind vielleicht die gelungensten Arbeiten der Sala Contarini. Gute Detsilaufnabmen bei Bratti 
a. n. O. In der Anordnung erinnern sie in manchem an Fsid'herbes bekannte Elfenbeinarbeiten für Pokale und 
Humpen. 
H" Das Museo Correr besitzt Gipsskizzen Andreas für diese Figuren.
	        

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