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Volltext: Monatszeitschrift XXII (1919 / Heft 3, 4 und 5)

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ähnlichenKom- 
positionen, wie 
sie in Marmor 
gearbeitet als 
Altarschmuck 
dienten, ver- 
wandte Er- 
scheinungen. ' 
Noch nähere 
Beziehungen 
aber bekunden 
die verschie- 
denen holz- 
geschnitzten 
Bruderschafts- 
zeichen, die als 
eine typisch 
venezianische 
Erscheinung 
bezeichnetwer- 
den können"; 
das Studium 
dieser Arbeiten 
wird für die 
Erkenntnis des Stiles unseres Meisters ohne Frage von großem Werte sein, 
wie überhaupt die häufige Verwendung dieses Materials als Symptom der 
künstlerischen Sonderstellung Venedigs bekanntlich stets hervorgehoben 
wurde. 
Der Übergang, der hier zutage tritt, aber ist für Brustolon wie für die 
Stilstufe, auf der er steht, im allgemeinen charakteristisch. Das Hin- und 
Herwogen zweier Richtungen, die sich bekriegen, findet auf dem neutraleren 
Boden des Kunstgewerbes noch am ehesten Bereitwilligkeit für Versöhnung 
und Kompromisse. Vor einer Custodia der heiligen Theodora in der Kirche 
San Giacomo zu Feltre"""' wird diese Zwitterstellung besonders leicht klar- 
gelegt werden können; wie die äußeren Umrißlinien der Truhenforrn doch 
noch unverschleiert erscheinen, obwohl angebrachte Ornamente, Ranken, 
ein reiches Gekräusel verwirrter Kurven und die quergelegten Cherubsköpfe 
in ihrer Funktion als Fußgestelle mit aller Macht gegen die Verdeutlichung 
der Grundform ankämpfen. Die verschiedenen Rahmen, die als Arbeiten 
Brustolons bezeichnet werden, sind auf ihre Zugehörigkeit noch zu unter- 
suchen. Auch vor ihnen läßt sich der eben entwickelte Prozeß feststellen. 
" Vgl. zum Beispiel Emico Meiringos Altar der Kapelle del Monte di Pielä zu Udine (Hans Tietze, 
„Zeitschrift für bildende Kunst", igxß, Seite 245). 
"H Erika Tietze. "Kunsihistoxisches Jahrbuch der Zemralkommission", Wien 1907, Seite 82 ff. 
H" Abbildung bei Ferrari, a. a. O. 
 
Abb. 6. A. Brustolon, Reliquiarentwurf
	        

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