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Volltext: Monatszeitschrift XXII (1919 / Heft 1 und 2)

des damaligen Kunsthandwerks muß man sich bei Studien über dasselbe 
stets vor Augen halten. Dem künstlerischen Auge des Herrn von Stetten, 
das sich an der Grazie des späteren Rokoko geschult hatte, erschien die 
signierte „Muse" des Viktor Kayser von 1532 „verdrehtß obwohl er ihre 
sonstige Qualität anerkannte, und dieselbe Beobachtung würde ein naiver 
heutiger Beschauer wohl auch angesichts der etwas manierierten Be- 
wegungen machen, welche den Figuren auf den Reliefs des Monogram- 
misten V. K. eigen sind. Es ist vielleicht noch nicht an der Zeit, eine hin- 
reichende Analyse dieses einigermaßen komplizierten Stiles und seiner ver- 
schiedenartig gegabelten Provenienzen zu geben, obwohl wir Analogien in 
der gleichzeitigen Augsburger Kunst finden _ so bei dem Monogrammisten 
S. L. -- aber es ist trotzdem doch wohl schon berechtigt, die Reliefs des 
V. K. in Verbindung mit dem Bildschnitzer Viktor Kayser zu bringen. 
Vergleicht man das Epitaph mit dem Solenhofer Relief bei Dr. J. Simon, 
so ergibt sich ohne weiteres eine derartige starke und zwingende stilistische 
Übereinstimmung beider Werke, daß man mit aller Sicherheit das Modell 
des Fugger-Denkmals gleichfalls diesem Meister zuschreiben muß..Beide 
sind einfach Varianten derselben Konzeption und unbedingt Werke ein und 
derselben Künstlerhand. Übereinstimmend ist die eigentümliche Stilisierung 
der Wolken und die summarische Behandlung der Architekturgruppe rechts. 
Dann sind zu vergleichen die vielfältige Gewandbehandlung mit ihrem an- 
liegenden Fluß, die Art des Stehens und Schreitens der Figuren, die für den 
Meister so bezeichnende Gestikulation der Hände, besonders bei dem Krieger, 
der auf beiden Reliefs links steht, die psychologische Korrespondenz der 
beiden Gruppen und ihrer Führer, die groben markanten Köpfe mit der 
starken Betonung der Nasen- und Backenknochen, die Bartbildung (so bei 
dem Melchisedek im Berliner Relief und an dem weitesten rechts stehenden 
Begleiter desselben auf dem Schwazer Denkmal). Ob das eine der beiden 
Reliefs mit der Begegnung von Abraham und Melchisedek älter als das 
andere ist, wird sich wohl nicht feststellen lassen, es scheint aber eher, als 
ob beide ziemlich gleichzeitig entstanden sind und vielleicht als Varianten 
für die Ausführung des Fugger-Epitaphs angefertigt wurden. Jedenfalls ist die 
Urheberschaft für beide durch denselben Meister, den Monogrammisten 
V. K., sichergestellt. Nicht ganz so feststehend aber ist dieselbe auf den ersten 
Blick für die übrigen Details des Schwazer Bronzereliefsf" weil dieselben mit 
der Hauptdarstellung wenig Vergleichsmomente enthalten. Die Gestalten 
des Adam und der Eva erscheinen etwas archaischer, aber das ist wohl 
damit zu erklären, daß hier die Erinnerungen an altes Werkstattgut aus der 
spätgotischen Periode viel stärker nachwirken als bei der „Begegnung", für 
"k Für den Aufbau und die Gliederung des Schwazer Epitaphs waren wohl die vier Grabplatten in der 
15:8 eingeweihten Fugger-Kapelle zu St. Anna in Augsburg vorbildlich. Das figurale Mittelfeld wird daselbst 
jeweils von einem Rundbogen auf zwei seitlichen Pilastern eingeschlossen, während den unteren Abschluß die von 
Putten fiankierten Schxifttafeln bilden. Vgl. Wiegand, „Adolf Daucher", Straßburg, xgog, Seite 32 ff., Tafel l 
bis IV; Mader, „Loy Hering", München xgo5, Seite 36 ff.; Albert Brinckmann, „Die praktische Bedeutung der 
Ornamentstiche für die deutsche Frührenaissance", Straßburg, X907, Tafel III, Seite 15 bis zg.
	        

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