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Volltext: Monatszeitschrift XXII (1919 / Heft 1 und 2)

als den dokumentarisch festgestellten Ent- 
stehungsort der Passauer Kanzel, werden wir 
den jungen Donner in erster Linie als den 
Schöpfer der Kanzel im Dom zu Passau in 
Betracht zu ziehen haben. 
Der zBjährige Raphael Donner wohnte 
damals in Wien im Heiligenkreuzerhoff" 
Gleichzeitig mit der vermutlichen Bestellung 
der Kanzel war der junge Meister nicht nur 
in nächster Nähe Passaus, sondern auch im 
Auftrage eines dem Passauer Fürstbischof 
außerordentlich nahestehenden Personen- 
kreises beschäftigt. Im Jahre 1721 schuf er 
nämlich in Linz im Auftrage des Grafen 
Johann Josef Leopold Philipp Harrach den 
bildhauerischen Fassadenschmuck der Ka- 
pelle des Deutschen Ritterordens und gleich- 
zeitig auf Befehl des Bruders seines Auftrag- 
gebers, nämlich des Salzburger Erzbischofs 
Franz Anton Grafen von Harrach, den Mar- 
moraltar in der Kapelle des Harrachschen 
Schlosses in Aschach an der Donau." Der 
Passauer Fürstbischof Raimund Ferdinand 
Graf Rabatta war daher zweifellos über die 
in seiner Diözese entstehenden Schöpfungen 
des jungen Meisters, welchen Graf Harrach 
in seinen Aufschreibungen „den beriembten statuarius" nannte, genau 
unterrichtet und nichts war naheliegender, als daß er den jungen Künstler, 
der alle Zeitgenossen zu überflügeln begann, für die Schaffung der neuen 
Kanzel in seiner hohen Domkirche heranzog. 
Daß diese Vermutung begründet ist, beweist die stilkritische Unter- 
suchung der Kanzel.Schon dieornamentaleVerzierung des unteren Brüstungs- 
wulstes der Kanzel ist eng verwandt mit der ornamentalen Zier der Predellen- 
wulste des Aschacher Altars. Auch die zarten Akanthusspiralen der Kanzel- 
rückwand finden wir in recht ähnlicher Weise in den Zwickeln des Bildfeldes 
am Aufsatze des Aschacher Altars wieder (Abb. 1)."? 
Viel kategorischer als solche kleine ornamentale Übereinstimmungen 
weisen uns aber einige Figuren der Kanzel in Donners Kunstkreis. Die 
weibliche Figur zur Linken der Kanzelrückwand (Abb. 3) ist schlagend 
verwandt mit dem linken Engel der Elemosynarius-Kapelle in Preßburg, 
 
Abb. z. Gurk, Domkanzel 
' Unter anderen mehr vgl. E. Tietze-Conrat in Thieme-Beckers „KünstlerlexikorW, Band g. 
'" 11g. „Donners und Hildebrands Wirken für den deutschen Ritterorden in Linz" in „Mitteilungen 
der Zentralkommission", N. F. 1896, 2:. Band, z. Heft, Seite 8x HZ, und E. Tietze-Conrat, „Unbekannte Werke 
von Georg Raphael Donner" in „Kunsrgeschichtliches Jahrbuch der Zentralkornmission" xgo5. 
v" Vgl. E. Tietze-Conrat, „Unbekannte Werke von G. R. Donner", Abb. 73 und Tafel VI.
	        

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