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Volltext: Monatszeitschrift XXII (1919 / Heft 1 und 2)

Saturn in der Bleigußgruppe 
„Apollo und Saturn". Für 
diese Stellungsmotive fin- 
den wir in Passau nun das 
erste Vorbild. Aber auch an 
der in einem rechten Win- 
kel sich vollziehenden Auf- 
wärtswendung des Kopfes 
(Abb. 5 und 6), an dem 
Profil mit dem aufgeknebel- 
ten Bart, an der leicht ge- 
bogenen Hakennase, an 
dem wie aus einer Masse 
herausmodellierten Haar 
erkennen wir in dem Evan- 
gelisten Matthäus deutlich 
den engen Verwandten der 
Preßburger , Bettlerfigur. 
Auch die Nacktheit der 
Evangelistenfiguren weist 
uns auf Donner, denn bei 
keinem zweiten Wiener 
Künstler um 1721122 finden 
wir die gleiche Vorliebe für 
die Bildung nackter Figuren 
bei jeder sich nur entfernt 
bietenden Gelegenheit wie Abb. a. Passau, Domkanzel, Evangelist Matthäus 
gerade bei Donner. 
Die Behandlung des Nackten, die Herausarbeitung des Muskelspiels 
ist an beiden Figuren meisterhaft und damals wohl bei keinem Wiener 
Meister außer Donner in dieser Vollendung denkbar. Gerade an diesen 
Figuren treten einige bei allen Werken Donners wiederkehrende Eigenarten 
besonders deutlich zutage; so finden wir an ihnen und an allen Passauer 
Kanzelliguren die für Donner so bezeichnenden naturalistisch gebildeten 
mageren Hände mit hervortretenden Adern, wir finden die ihm eigentüm- 
liche Behandlung der Zehen, indem er die zweite Zehe etwas über die große 
hinaus verlängert, während er die letzte verschwindend klein und an die 
übrigen angepreßt bildet, wir finden, wie bei allen Donnerschen Figuren, 
das Gewand in großen Flächen gearbeitet, die das volle Licht haben und 
meist nur zwischen den Beinen oder über einem mit Vorliebe bloßgelassenen 
Bein durch Falten unterbrochen werden (Abb. 5 und 7). Noch auf zahllose 
Donnersche Eigenarten, die wir fast an jedem Detailchen der Kanzel finden, 
könnten wir hinweisen, so etwa auf die bei den Donnerschen Engelsfiguren 
immer wiederkehrende Eigenart, wonach das Gewand regelmäßig die Brust
	        

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