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Volltext: Monatszeitschrift XXII (1919 / Heft 1 und 2)

freiläßt und nur durch eine Schärpe oder durch die Hand unter der Brust 
in einem aufsteigenden Zipfel zusammengehalten wird (Abb. x und 12). Wir 
wollen den stilanalytischen Beweis nicht ins Endlose dehnen; nur auf den 
kleinen CruciFixus wollen wir noch verweisen, den das Engelchen der 
Kanzelbrüstung hält (Abb. 9). Auch er zeigt so zweifellos und deutlich die 
uns bekannte Donnersche Art - erinnern wir uns nur an den Heiligen- 
kreuzer Crucifixus w, daß, wenn auch kein anderer dokumentarischer oder 
stilistischer Anhaltspunkt zu Finden wäre, dieser Crucifixus allein zur Signa- 
tur des Werkes werden müßte. Damit halte ich aber unsere Beweisführung 
für so weit gediehen, daß wir unter unsere Deduktionen den Schlußstrich 
setzen können. Wir fanden, daß die Kanzel in Wien entstanden ist, daß sie 
in der Gesamtkomposition das Vorbild für die von Donner inventierte Kanzel 
in Gurk ist, daß ihre einzelnen Figuren nicht zu verkennende Vorbilder 
späterer Werke Donners darstellen und daß überhaupt alle Eigenarten der 
späteren Schöpfungen Donners in der Passauer Domkanzel schon deutlich 
feststellbar sind. Wir sind daher zu dem Schlusse gedrängt, daß Donner der 
Meister der Kanzel ist, 
wenn wir nicht gezwungen 
sein wollen, zu schließen, 
daß sie das Werk eines 
anderen uns unbekannten 
Wiener Meisters ist, der 
alles, was Donner Neues 
brachte, schon zu eigen 
hatte, aus dessen Werk 
Donner alles Wesentliche 
seiner Kunst schöpfte, der 
daher größer war als er. 
Die Kanzel im Dom 
zu Passau ist das größte 
und bedeutendste Früh- 
werk des Meisters, ein 
Hauptwerk seines Lebens, 
welches geradezu das Pro- 
gramm seiner überragen- 
den, wahrlich epoche- 
machenden Kunst enthält. 
WasDonner in schrof- 
fen Gegensatz zu der frühe- 
ren und gleichzeitigen de- 
korativen Skulptur stellt, 
das ist sein ausgeprägter 
Sinn für Klarheit der skulp- 
Abb. 7. Passau, Domkanzel, Evangelist Markus " turalen FOITD.  KUHSt
	        

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