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Volltext: Monatszeitschrift XXII (1919 / Heft 1 und 2)

der vorangegangenen Periode und die Kunst seiner Zeitgenossen schafft 
Figuren mit bewegter aufgelockerter Silhouette, deren Gewänder in kleine 
Licht- und Schatteniiächen aufgelöst sind. Diese Figuren haben, für sich 
allein betrachtet, ihr Sonderdasein verloren, sie sind die untergeordneten 
Glieder einer Gesamtkomposition, mit dieser dazu bestimmt, in rauschender 
"Bewegung, mit ungeheurer dekorativer Schlagkraft die Interpreten einer 
übersinnlichen Geistigkeit zu sein. Wir denken etwa an die ungefähr 
gleichzeitig mit der Passauer Kanzel entstandene Kanzel der Wiener Peters- 
kirche. Donner gibt nun der Figur ihre künstlerische Selbständigkeit 
wieder. In seinen Werken unterstützt die Figur zwar auch den tektonischen 
Gedanken, aber sie verliert dabei nicht ihren Eigenwert. Donner stellt 
die Figur in einen geschlossenen Umriß; die geometrische Form des Um- 
risses, das der Figur zugrunde liegende Linienschema, sind der tekto- 
nischen Grundidee angepaßt, innerhalb des Schemas gestaltet aber der 
Plastiker frei nach statuarischen Gesetzen. So komponiert Donner die 
Martins-Gruppe des einstigen Preßburger Hochaltars streng in die Spitze 
eines gleichseitigen Drei- 
ecks. Wie souverän aber 
der Künstler innerhalb 
dieses Kompositionssche- 
mas die rein statuarische 
Aufgabe bewältigt, ermes- 
sen wir am besten an der 
mächtigen Wirkung, wel- 
che die Bildgruppe auch 
heute noch, da sie längst 
aus ihrer architektonischen 
Rahmung gerissen ist, auf 
uns übt. Auch das Bewe- 
gungsmotiv gewinnt bei 
Donner eine ganz neue 
und andere Bedeutung als 
vordem. War bisher in 
der Gesamtkomposition 
Bewegung, ganz allgemein 
gesprochen, die künstleri- 
sche Formel für den Aus- 
druck des wunderbaren, 
des Übersinnlichen, so 
verwendet Donner das Be- 
wegungsmotiv, das ihn als 
solches allein schon künst- 
lerisch interessiert, zur 
feinfühligen Betonung und Abb. s. Passau, Domlmnzel, Evangelist Markus 
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