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Volltext: Monatszeitschrift XXII (1919 / Heft 11 und 12)

JDI 
EIN SIGNIERTER WIENER PORZELLAN- 
TELLER VON GEORG LAMPRECHT 50' VON 
EDMUND WILHELM BRAUN-TROPPAU 50' 
7c? M Jahrgang 1917 dieser Zeitschrift habe ich auf 
Seite 11g ff. das prunkvolle Wiener Porzellan- 
service der Louis-XVI-Periode veröffentlicht, das 
Herrn Gustav Robert Paalen in Sagan gehört. 
' Zwei Maler haben den bunten iiguralen Putten- 
. schmuck der aus dem königsblauen golddeko- 
rierten Grund ausgesparten Felder geschaffen, 
als deren einen, den bedeutenderen, ich Georg 
Lamprecht bestimmte, während ich in dem 
l ' zweiten Maler den Johann Weichselbaum er- 
blickte. Nun hat das Österreichische Museum vor einiger Zeit einen Teller 
erworben, der evident aus diesem schönen Service stammt (Abb. Seite 35g) 
und glücklicherweise signiert ist. Zwei querovale Felder zeigen je einen Putto 
in Wolken, mit den symbolischen Insignien der Malerei und der Schauspiel- 
kunst, während die beiden anderen, entsprechenden Felder in stillebenartiger 
Weise gleichfalls Symbole dieser beiden Künste, wiederum in Wolken, aber 
ohne Figuren, einschließen. Das Feld mit dem Putto, der die Maske der 
Schauspielkunst hochhält (in Vergrößerung abgebildet in dieser Zeitschrift 
Jahrgang 1919, Seite 276, von G. E. Pazaurek), trägt auch die Künstlerbezeich- 
nung, und zwar auf dem Papier, auf welchem der rechte Unterarm des Putt os 
aufliegt. Sie lautet: „Pint par Lamprecht" und bestätigt somit die Richtig- 
keit meiner früheren Diagnose. Pazaurek hat in einem Aufsatz „Johann Georg 
Löhnig, ein I-Iauptmaler der Meißner Porzellanfabrik", in dem er das oben- 
genannte signierte Feld unseres Tellers vergrößert abgebildet hat - solche 
Vergrößerungen hat bekanntlich schon seit Jahren Marc Rosenberg in 
seinen historisch-technologischen Studien zur Geschichte der Goldschmiede- 
kunst mit Erfolg gebracht -, den Meißner Maler Löhnig mit seinem künst- 
lerisch allerdings bedeutenderen Wiener Fachgenossen Georg Lamprecht ver- 
glichen und erblickt in dem Erstgenannten den „ersten deutschen Louis-XVI- 
Porzellanmaler", während er Lamprecht den „ersten deutschen Empire- 
Porzellanmaler" nennt. Abgesehen davon, daß es immer mißlich ist, auf 
einem so wenig systematisch erforschten Gebiete Superlative zu gebrauchen 
a es gibt zumBeispiel Louis-XVI-Service aus den Malerstuben zu Frankenthal 
und Höchst, die in keiner Weise künstlerisch hinter den Arbeiten dieses in 
dankenswertester Weise jetzt festgestellten Meißner Porzellanmalers Löhnig 
zurückbleiben -, erscheint mir auch die Benennung „Empiremaler" für 
Lamprecht zum mindesten etwas schief. Mit Rücksicht auf die durch diesen 
neu aufgetauchten Teller wiederum erwiesene und verstärkte künstlerische 
Bedeutung Lamprechts will ich hier alle mir bekannten Nachrichten über 
denselben zusammenstellen und füge außerdem eine Liste der von ihm 
 
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