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Inhaltsverzeichnis: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIII (1878 / 149)

ist zwar der Versuch gemacht worden, in demselben Gebäude ein kleines 
Museum rnustergiltiger Gegenstände anzulegen, doch kann ein solcher 
Versuch nur auf sehr kleine Dimensionen beschränkt sein und daher den 
angestrebten Zwecken nur in geringem Masse entsprechen, wenn nicht 
ganz verfehlen. Die Richtung, welche die Kunstgewerbeschule in München 
verfolgt, ist dieselbe, welche schon früher in Wien eingeschlagen wurde, 
und haben sich auch die Arbeiten der ersteren auf der vorjährigen Mün- 
chener Ausstellung vortheilhaft von jenen ihrer deutschen Colleginnen 
ausgezeichnet. 
Mit dieser grossen deutschen Museal- und Schulbewegung zur För- 
derung der Kunstgewerbe und des Strebens nach einer Verbesserung in 
der Geschmacksbildung im deutschen Arbeiterstande, geht auch eine grosse 
literarische Bewegung Hand in Hand, welche dieselben Ziele verfolgt, wie 
die der Gewerbemuseen und die Kunstgewerbeschulen. Diese Bewegung 
ist fast noch bedeutender, als die Schul- und Musealbewegung, ja sie 
greift selbst tiefer in das gewerbliche Leben ein als letztere, denn man 
muss nur bedenken, dass Deutschland eine grosse Zahl von Verlegern be- 
sitzt, denen nicht nur ein materielles, sondern auch ein grosses geistiges 
Capital zur Verfügung steht. Seit jeher, schon seit der Erfindung der 
Buchdruckerkunst hat der deutsche Buchhandel mächtig in die geistige 
Bewegung des Volkes eingegriffen, es ist ein Ehrenpunkt der deutschen 
Verleger, an der Spitze dieser geistigen Bewegung zu stehen und auf diese 
Art indirect die Cultur des deutschen Volkes zu heben. Was wäre aus 
der deutschen Literatur geworden , wenn nicht Männer wie Cotta, 
Brockhaus u. s. f. und zwar zahlreich vorhanden gewesen wären, die 
die Literatur sozusagen unter ihren Schutz genommen hätten? Von dem 
Augenblicke an, wo eine grössere kunstgewerbliche Bewegung sich im 
deutschen Reiche bemerkbar machte, also seit dem Jahre 1871, ist auch 
eine ungeheure kunstgewerbliche Literatur wie mit einem Zauberschlagv 
entstanden. Vor beiläuüg 20 Jahren hat die deutsche Literatur das Kunst- 
gewerbe beinahe gar nicht gepflegt, heutigen Tags ist dies anders gewor- 
den. Heute widmen sich Verleger, wie Spemann, Neff, Nitsche in Stutt- 
gart, Ernst 8c Korn, Wasmuth und Nicolai in Berlin, Seemann und Scholtze 
in Leipzig, Gilbers in Dresden, Veith in Carlsruhe, Sigm. Soldan in Nürn- 
berg, Voigt in Weimar u. A. m. den Kunstgewerben mit bedeutendem 
Erfolge. Allerdings sind viele Unternehmungen ungeschickt angefangen 
worden; andere scheiterten, weil in Deutschland kein Centrum für Kunst- 
literatur vorhanden ist wie dies Paris für Frankreich bildet. Manchen Un- 
ternehmungen sieht man wieder deutlich an, dass ihre geistigen Kräfte 
nicht ausreichen, um dem kunstgewerblichen Bedarf zu genügen. Viele 
Unternehmungen sind buchhändlerische Speculationen ohne allen Werth, 
dagegen gibt es viele, welche auf soliden Grundlagen beruhen, die von 
ernsthaften Männern geleitet und mit bedeutenden Mitteln durchgeführt 
werden. Die Zahl der letzteren wächst im deutschen Reiche von Jahr
	        
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