MAK

Volltext: Monatszeitschrift XXIII (1920 / Heft 4, 5 und 6)

AUS DEM WIENER KUNSTLEBENSW VON 
HARTWIG FISCHEL-WIEN Sie 
ALERIE VVOLFRUM. In ihren gut gelegenen Ausstellungsräumen am Kohlmarkt 
hat die Kunsthandlung F. Wolfrum 8: Co. eine Ausstellung A. janesch und Ines 
Lürsen-Debroe veranstaltet. A. ]anesch ist durch seine geschmackvollen Orientstudien 
gleichzeitig in der Aquarellausstellung des Künstlerhauses hervorgetreten und hat hier den 
guten Eindruck erweitert und vertieft. Als feiner Kolorist hat er die guten Tradiüonen 
Rumplers gepflegt und mit sicherem, lebendigem Stift seine Frische im Erfassen und 
Zusamrnenschließen landschaftlicher Eindrücke bekundet. Eine Reihe von Porträten zeigt 
ihn auf anderen Wegen, die ihn zu einem ernsten Stilismus führen und die Verein- 
fachung in Ton und Umriß glücklich erreichen lassen. In einem größeren Bild, zu dem die 
Erinnerung an die Kriegserlebnisse ihn wie so manchen anderen drängte, lebt zuviel 
akademische Abhängigkeit. Unter den vielfältigen Zielen, die seinem ernsten Streben vor- 
schweben, ist sicher die Erreichung feiner Tonwirkungen und ruhiger ernster Vertiefung 
in die Erscheinungswelt jene Richtung, in der Janesch am freiesten schaltet. Hier gelingt 
es ihm ganz, den Eindrücken seiner offenbar fein gestimmten und empfänglichen Seele den 
erschüpfenden Ausdruck zu geben, der auf den Beschauer fesselnd und stimmunggebend 
zu wirken vermag. Es lebt darin eine gute alte Wiener Maltradition, die nicht erstarrt und 
schemenhaft formale Fesseln weiterschleppt, sondern frisch und lebendig freieren und 
beweglicheten Einflüssen folgt. Die Anpassung an ein weiteres, größeres Programm, an 
eine neue Emplindungsweise vollzieht sich hier allmählich und stetig, nicht sprunghaft 
und gewaltsam. Darin wirkt zugleich die alte Pflege tüchtiger Zeichenkunst und feiner 
Tonwerte, während die formale Gestaltung neuen Problemen zustrebt. 
Dieser Selbstzucht und Gebundenheit steht in den Arbeiten von Ines Liirsen-Debroe 
eine gewisse malerische Zügellosigkeit und Derbheit gegenüber, die guten Traditionen 
überlegen ausweicht. Starkes und gewagtes Zugreifen liegt hier namentlich in gewissen 
farbigen und formalen Kühnheiten der iiguralen Bilder, die nur dann packen können, wenn 
sie die Sicherheit der vollen Meisterschaft in sich tragen. So gut Einzelnes, besonders im 
Porträt gelingt, so kräftig das Beste auch wirken mag, das Unzulängliche daneben wird 
doch nur verschärft, weil es sich allzu sorglos gebärdet. Temperament und Wagemut 
wecken den Widerspruch leichter als ruhige Beharrlichkeit. Diese vermag ein begrenztes 
Talent in sichere Bahnen zu lenken, während jene Entgleisungen unvermeidlich machen, 
solange nicht eine Stufe, des Könnens erreicht ist, die auch Schwächen übersehen läßt. 
Es ist der Künstlerin zu wünschen, daß ihr temperamentvolles Wollen sie zu einem 
reiferen Können führen möge. 
KLEINE NACHRICHTEN so 
MIL HANNQVER, KERAMISCHES HANDBUCH-Lt Der angesehene 
Direktor des Kunstindustrie-Museums in Kopenhagen Emil Hannover hat ein Hand- 
buch der Keramik herausgegeben, von dem der erste Band, der vorliegt, Fayence, Majolika, 
Steinzeug umfaßt. Es ist das erstemal, daß im skandinavischen Norden eine so um- 
fangreiche enzyklopädische Arbeit unternommen wird, die alte und neuere keramische 
Spezialforschungen zusammenfaßt und so weiterbildend älteren bekannten Arbeiten in 
anderen Sprachen gegenübertritt. Das Buch wendet sich an weite Kreise der Sammler- 
welt, die es gern begrüßen und der übersichtlich geordneten und dabei doch knapp 
gefaßten Zusammenschließung des historischen StoHes ein nützliches Handbuch ver- 
danken. Das reiche Literaturverzeichnis, welches dem Texte angeschlossen ist, zeigt die 
" Kopenhagen, Henrik Koppels Verlag.
	        

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