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Volltext: Monatszeitschrift XXIII (1920 / Heft 7, 8, 9 und 10)

nah 
Allegorien der Todsünden und Tugenden, die Szenen aus der Geschichte 
des Paulus, des Erzvaters Abraham, des Tobias und Josua, auf Entwürfe von 
Barend van Orley und Pieter Coecke van Aelst zurückgehend, entrollen ein 
markantes Bild von dem Können und den künstlerischen Absichten der 
niederländischen Renaissancekünstler und Kartonniers. Eigenartige Dar- 
stellungen aus der zeitgenössischen Geschichte und solche mit Schäfer- 
spielen erweitern das Bild von den Darstellungsgebieten damaliger Gobelin- 
kunst. Von besonderer Kraft des Ausdrucks ist der Abraham-Zyklus, der bei 
ungemein klarer Erzählung die alttestamentarischen Geschichten ins Über- 
menschliche, Mythische steigert. Dieser großartigen Gestaltungsweise ent- 
 
Der Tod des Adonis, nach Primaliccio, Fontainebleau. XVI. Jahrhundert 
spricht die im Grunde einfache Farbengebung ebensosehr wie die geistvolle 
Behandlung der auf den Inhalt der einzelnen Teppiche bezüglichen Bor- 
düren. Man wird der ungeheueren schöpferischen Kraft, die in der damaligen 
Brüsseler Gobelinkunst zum Ausdruck kam, bewußt, wenn man sich vor- 
stellt, daß dieser gewaltige Abraham-Zyklus zehn Darstellungen umfaßt, 
ähnliche Zyklen annähernd die gleiche Anzahl von Stücken aufweisen und 
es erscheint als eine verlockende Aufgabe, den künstlerischen, wirtschaft- 
lichen und technischen Bedingungen dieser die Fresken Italiens ersetzenden 
Monumentalleistungen nachzugehen. Bei den meisten niederländischen 
Arbeiten spielt in der Farbengebung das schimmernde Gold eine große 
Rolle, das nicht bloß eingewirkt, sondern stellenweise auch eingestickt 
erscheint. Zu welch feiner koloristischer Wirkung dieses Gold in Verbindung 
mit gelber Seide und anderen zarten Farben gebracht werden kann, zeigt der
	        

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