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Volltext: Monatszeitschrift XXIII (1920 / Heft 7, 8, 9 und 10)

heraus, daß nur ein Viertel von 
ihnen in Wien geboren war, ein 
weiteres Viertel aus den Provin- 
zen stammte, die andere Hälfte 
aus dem Reiche und dem Aus- 
lande zugewandert war. So tief 
ging die Blutmischung der ge- 
werblich tätigen städtischen Volks- 
kreise, die schon vom XIII. Jahr- 
hundert angefangen zu gewissen 
Zeiten immer wieder eingesetzt 
hatte, Charakter, Temperament, 
Begabung verändernd und dem 
Schaffen neue Richtung weisend. 
Von Stetigkeit und Klarheit in der 
Erziehung der gewerbetätigen 
Kreise und in der wirtschafts- 
politischen Orientierung war noch 
keine Rede, man versuchte man- 
cherlei, was man wieder fallen 
ließ, aber von zünftlerischer Er- 
starrung und von Mangel an Ideen 
und Lebensfrische hielt man sich 
doch immer frei und bereitete 
unbewußt der großen Reform- 
arbeit der Kaunitzschen Epoche 
den Boden. S0 verdient festge- 
halten zu werden, daß schon 1738 der erste Versuch eines fachlichen 
Unterrichtes gemacht wurde durch Einführung von Lehrlingskursen an 
der Akademie, deren im Jahre 1726 durch Karl VI. erfolgte „Restabilirung" 
zur Hebung des „CommerciW, bereits im Geiste Colberts begründet wurde. 
Die schon zu Ende des XVII. Jahrhunderts aufgetauchten Welthandels- 
pläne, der Schaffung einer orientalischen Kompagnie und des Zusammen- 
wirkens mit Holland im Dienste einer okzidentalischen, griffen in das 
praktische Leben nur wenig ein, aber schon die jahrzehntelange Be- 
schäftigung mit solchen Ideen befruchtete den Arbeitsgeist und die ökono- 
mische Wertung der Arbeit überhaupt. Noch war man weit entfernt von 
der Unterscheidung frskalistischer und wirklich volkswirtschaftlicher Grund- 
sätze in der Industrie- und Verkehrsförderung und noch lange kämpften die 
Länder gegeneinander durch Zölle und Konsumgebühren, Behinderungen 
und Absperrungen aller Art, wie wir sie auch in unseren Tagen wieder 
erleben müssen. Auch hat das agrarische Übergewicht Innerösterreichs, 
sehr wichtig für die Erhaltung des Volkstums, einer allzu raschen Industriali- 
sierung entgegengewirkt und selbst, als späterhin ein starker Aufschwung 
 
Kunstschau rgzo. Schrank, Entwurf von Dagobert Peche, 
ausgeführt von der Wiener Werkstätte
	        

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