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Full text: Monatszeitschrift XXIII (1920 / Heft 7, 8, 9 und 10)

vorgeht, in Beziehung zu setzen und sie zu treuer, peinlich genauer, 
beseelter Arbeit anzuhalten. Die Gründung der Manufakturschule, der 
Schmutzerschen Zeichenschule und jener für Metallbearbeitung unter des 
ausgezeichneten Goldschmiedes und Medailleurs Domanöck Führung, 
schließlich nach längerem vorsichtigen Zuwarten und Reifenlassen der 
Dinge die Vereinigung aller dieser Sonderschulen mit der auf neue Grund- 
lagen gestellten Akademie war eine Tat von weittragender Bedeutung. 
Die Zulassung von Ausländern zur Errichtung von Manufakturen, die mit 
allen damals verfügbaren Mitteln geförderte Entwicklung der Textil- 
industrie, die Durchdringung der vom Staate 1744 übernommenen Por- 
zellanmanufaktur mit künstlerisch-technischen und wirtschaftlichen Ideen 
und Maßnahmen, die Organisierung der künstlerischen Frauenarbeit, die 
Heranbildung eines intelligenten Kaufmannsstandes und die geistige Hebung 
der Arbeiter vereinigten sich zu einem Kulturprogramm, das wohl in vieler 
Hinsicht schwer durchführbar war, aber der Arbeitsgesinnung der Zeit ein 
glänzendes Zeugnis ausstellte und sie zu reichem fruchtbringenden Schaffen 
führte, dem der Staat die Überwindung schwerer Schicksale zu danken hatte. 
Kaunitz hat das Wort geprägt, daß Kunst und Kunsthandwerk einem Volke 
größeren Nutzen bringen als die glänzendsten Siege berühmter Feldherren. 
Hier kann von allen Einzelheiten dieser organisierten, alle Kräfte zu- 
sammenfassenden, auf ein Ziel gerichteten Tätigkeit nicht die Rede sein. 
Aber hingewiesen sei auf das Beispiel der Porzellanmanufaktur, welche, dem 
Zusammenbruehe nahe, 1744 vom Staate übernommen, ungefähr 16 Jahre 
passiv war, um von 1760 an in immer höherem Maße aktiv zu werden, 
nicht durch Massenproduktion, sondern durch fortschreitende Veredlung 
der Arbeit und Ausbildung eines spezifischen Wiener Stiles. Die Entdeckung, 
Verwendung und 
Stützung von Per- 
sönlichkeiten wie 
Sorgenthal, wel- 
cher Techniker, 
Kaufmann, Volks- 
wirt und Kunst- 
freund zugleich 
und ein organi- 
satorisches Genie 
ersten Ranges 
war, ist eine der 
größten Taten des 
erleuchteten Gei- 
stes des Staats- 
kanzlersgewesen. 
Die Epoche von 
 
Kunstschau xgzo. Holzkassette, intarsiert, Entwurf von Viktor Lurje, ausgeführt 
von der Wiener Werkstätte 1784 biS 1805
	        
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