MAK

Volltext: Monatszeitschrift XXIII (1920 / Heft 7, 8, 9 und 10)

sein, welcher das Künstlerische mit dem Merkantilismus zu verbinden, den 
wahren Sinn der Manufaktur zu erfassen und den Industrialismus im Kunst- 
handwerk einzudämmen oder zu unterdrücken verstände. Mehr als bisher 
haben die mit den Aufgaben des Kunsthandwerks vertrauten Künstler 
Führung und Einfluß anzustreben. Auf ihnen wie auf uns lastet eine unge- 
heure Verantwortung. 
Vermögen wir nicht bald, die Arbeit wieder aufzubauen, wie sie im 
Technisch-Künstlerischen und im Wirtschaftlichen in den besten Zeiten 
der Geschichte unseres Volkes lebendig war, so gehen wir dem völligen 
Untergang entgegen. Kein größeres Unheil könnte uns geschehen als 
die Abwanderung des Restes an schaffenden Kräften, welche wir noch 
haben. Eine solche Aktivität unserer Handelsbilanz wäre Vernichtung. 
Die Orientierung der Bewirtschaftung des Kunsthandwerks auf das 
Ausland, die unabweisbar ist, ohne 
das Korrektiv einer starken Anteil- 
nahme des Eigenbedarfes schließt die 
Gefahr in sich, daß wir unsere Seele 
verlieren, den Zusammenhang mit 
allem, was uns eigentümlich ist und 
den Reiz unseres Schaffens ausmachte. 
Unsere Edelarbeit würde außer Ver- 
bindung mit den lebendigen Kräften 
der Volksseele geraten, sie würde zur 
Handelsware degradiert, über deren 
Durchsetzung in der Welt der Kauf- 
mann allein und der Reisende zu ent- 
scheiden hat. Wir dürfen nicht das 
Konzept anderer einfach ausführen 
und uns entgeistigen lassen. Auch wäre 
die Rechnung falsch, denn die Welt 
will unseren Formen- und Farbensinn, 
unsere Phantasie, unsere Art des Ge- 
staltens der Dinge, sie will den Geist 
unserer Künstler und Werkstattkunst 
verspüren, aber nicht schlechte Wie- 
derholungen dessen, was sie draußen 
sich besser selbst zu schaffen ver- 
mögen. Nur wenn wir bleiben, was 
wir in unseren besten Zeiten waren, 
und wenn wir uns die Wege in künst- 
lerisches Neuland selbst bahnen mit 
dem ganzen Einsatze der Persönlich- 
keit dieses differenzierten Menschen, 
,_ _ Kunstschau rgzo. Silberdose, Entwurf von Dagoben 
den man Osterreicher nennt und der Peche, ausgeführt von der wtttttt Werkstätte
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.