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Volltext: Monatszeitschrift XXIII (1920 / Heft 7, 8, 9 und 10)

niedergehalten von der 
harten Bedingtheit der 
Erde und ihrer Gesetze. 
Irdisches Leid aber mil- 
dert das Lächeln des gol- 
denen Antlitzes, der Müt- 
terlichkeit hermenhaft in 
sich ruhendes Denkmal. 
Ein Schritt tiefer in ihren 
Garten bietet sie die gött- 
lichen Gabender Natur, 
der vegetativen und näh- 
renden Kräfte. Ja, am 
Anfang ihres Werdens 
tritt sie, aller Selbstheit 
bloß, drängender Sehn- 
sucht entgegen, die hin- 
gabebereite Magd Eva, 
keusch in ihrer Bestim- 
mung. Aber das Werk 
Hanak offenbart auch  Kunstschau xgzo Silberschale Entwurf von lProfessor Oskar Strnad 
andere Seite der Weibes" ausgeführt von' der Wiener Werkstätte ' I 
natur, der männlichen 
polar gegensätzlich, individuell ebenwertig, der Gefährtin. Im Gebet erbittet 
sie von den Gewalten die Gnade ihrer Vollendung, wie der Jüngling sie von 
ihnen erringt. Aber noch ist das Weib sich seiner menschlichen Sendung 
nicht bewußt. Seine Seele verharrt noch im Traume befangen in vegetativer 
Dämmerung, auf die es der männliche Geltungswille beschränkte. Doch wir 
erkennen im letzten Menschen, daß seine Gewalt zu Ende geht. Die Sorge 
um die Bewahrung seines Dominiums zwang ihn, den Körper zur Maschine 
zu bilden, jede Muskelgruppe zu exaktester Leistung zu differenzieren. Doch 
der andauernd erforderte Nervenaufwand erschöpfte ihn. Seine Drüsen 
kommen nicht mehr zu Säften. Ausgemergelt gleitet er aus seiner Position 
unaufhaltsam in den Abgrund: Vergangenheit. Nicht kann des Fanatikers 
zerfahrenes Wollen den Gang der Entwicklung hemmen. An das Weib 
wendet sich die Stimme von oben. Dieses wird den Impuls empfangen, daß 
es sich erhebe als die, die nun über die Erde schreiten muß. Die gleich- 
gewertete Genossin des Mannes, des Neuerers, der in junghellenischer 
Schönheit neugeformt mit willensstarker Gebärde aufruft zur Neugestaltung 
der Erde auf Grund ebenbürtiger Achtung von Mann und Weib, den Pol- 
Inkarnationen des Begriffes: Mensch. 
So drängt das Werk Hanaks, Bildgehalt eines Tempels der Menschheit, 
einem Schöpferwillen entsprungen, aus einem Lebenskreis erflossen, zur 
Einigung auch in der Vorstellung des Empfängers. Ein persönlicher Sinn 
 
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