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Volltext: Monatszeitschrift XXIII (1920 / Heft 7, 8, 9 und 10)

 
Kunslschau 192a. Silbergamitur. Entwurf von Professor Josef Hoffmann, ausgeführt von der Wiener Werkstätte 
zur historisierenden Objektivität gelangt. In diesem Sinne wird auch Klimts 
malerische Bedeutung nunmehr uneingeschränkt zugegeben, ja ihr selbst der 
oberste Rang zuerkannt. Aber die Bedeutung eines kapazitativen Menschen 
ist in der Ausübung einer Funktion nicht erschöpft. Auch prägte sich schon 
allein in der Kunsttätigkeit Klimts das Streben nach einem Ziele aus, das weit 
über die Grenzen herkömmlicher Maleraufgaben weist. Seine Bilder zeichnet 
vor allem ihre außerordentliche Helligkeit und Lichtstärke aus, dem Ergebnis 
völlig verinnerlichter Handhabung der Prinzipien neoimpressionistischer 
Technik, Errungenschaft französisch-belgischer Künstler nach dem Kulmina- 
tionsstadium der impressionistischen Bewegung. Ferner bestimmt die Wir- 
kung der Bildtafeln Klimts ihre bunte, vollkommen harmonisierte Farbigkeit, 
bei konsequenter Durchbildung des Motivs nach den zwei Dimensionen der 
Fläche. Diese Merkmale betonen den Schmuckwert vor dem Ausdruckswert, 
wie die ihm vorschwebenden Werke ostasiatischer Kunst. Dennoch kon- 
zentriert sich endlich auf die räumliche und stoffliche Darstellung ein so 
ausdrucksmittelreiches Vermögen zu intensiver Illusionswirkung, daß wir 
den Meister im Vollbesitz der Geheimnisse fünfhundertjährig-europäischer 
Malertradition sehen. Somit offenbart Klimt eine synthetische Intelligenz, 
deren singuläre Größe und Bedeutung erst von der Warte einer ganz unein- 
geschränkten Kulturerfassung zu ermessen sein wird, „einer Warte der 
Weltkultur, von der aus auch alle österreichischen Probleme überblickt
	        

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