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Full text: Monatszeitschrift XXIII (1920 / Heft 7, 8, 9 und 10)

ABI 
formaler Monumentalität, die selbst bei kleinen vorzüglichen Landschaften, 
trotz mehrfacher Wahl intimer Motive, intime Wirkung ablehnt. 
Eine beträchtliche Gruppe vorhandener Bilder lebt in den Stimmungen 
verflossener Stilepochen. Auch F. A. Harta ist nach rückwärts schauend noch 
immer durch Greco fasziniert. In seinen Kompositionen, aus dem Stoffgebiet 
der Passionsgeschichte, schafft die einachsige, meist diagonal geführte Raum- 
tiefe mit paralleler Lichtführung geschickt gebaute, der Figuralkomposition 
homogene Szene. Jene selbst noch keineswegs zur Manier erstarrt in leb- 
hafter Bewegtheit. Abstrahie- 
render Kolorismus schwingt 
in Weiß aus und stumpft in 
schattendes Blaugrau. Kalte 
Farbenreihen,visionänWohl- 
tuend wirkt „Vorfrühling" 
durch ungezwungen indivi- 
duelle Stilisierung in Farbe 
und Tektonik. Willi Novak 
schafft in den pastellartig wir- 
kenden Modulationen inWeiß, 
Lila und milchigem Blau ro- 
kokohafte Szenen in virtuosem 
Spiel. Ihm verwandt im selben 
Raume O. Th. W. Stein und 
in strenger Prägung Eugen 
Steinhof. Auch die Bilder 
Professor Müller-Hoffmanns 
kennzeichneteinfühligerStilis- 
mus. Ernst Huber übersetzt 
Szenen niederländischer Art 
in modernen Vortrag. Kunstschau 1910- 
' Glasdose, Entwurf von Professor Josef Hoffmann, Bemalung von 
Nun noch drei Starke rna julius Zimpel, ausgeführt von der Wiener Werkstätte 
 
lerische Temperamente. So 
weit auseinanderstrebend [in ihren Zielen, dabei so unmittelbar modern in 
ihrem lebendigen Ringen, daß deren Nebeneinander symptomatisch wirkt für 
unseren Zeitgehalt. Anton Kolig ringt um die Raumbeherrschung von der 
positiven Seite aus, der Körperplastik. Er baut den Körper un_d erforscht mit 
fühlbarer Leidenschaftlichkeit die formbildendeWirkung der Farben, wägt und 
wiegt ihr Verdrängen und Zurücktreten wie die Gleichgewichtsbedingungen 
ihrer Kontraste. Den negativen Raum, Tiefe, determiniert Kolig in seinen groß 
angelegten Studien nur aphoristisch bis zur ausreichenden Folie der macht- 
vollen Erscheinung des Körpers. Wenige Zeichnungen und nicht vollendete 
Bilder zeigt Franz Wiegele. Er folgt der vom Lichte an der Materie geweckten 
Farbe und erstrebt nachschaffend ihre Kristallisation am Formphänomen. 
Anders A. Böckl. Er dringt in malerisches Neuland ein, das von Kandinsky
	        

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