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Objekt: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XVI (1881 / 188)

dieses Hineindringen des Handwerks bis in die untersten Volksclassen, sowie dessen Pflege 
neben der geistigen Bildung, hat in nicht geringem Grade zu der materiellen Wohlfahrt 
beigetragen, Auch hier finden wir den gesunden, vernünftigen Sinn rnit der idealeren Seite 
in jener für Schweden so charakteristischen glücklichen Vereinigung. 
(Technische Anstalt für Gewerbetreibende in Bremen.) Auf Anregung der 
Gewerbekammer in Bremen ist daaelbst im Jahre 1873 obgenannte Anstalt in's Leben ge- 
treten, die sich aus sehr kleinen Anfangen zu einem für das dortige Gewerbeleben ein- 
Hussreichen Institute entwickelt hat. Den Ausgangspunkt seiner Thütigkeit fand es in der 
Anfertigung von stilistisch richtigen Entwürfen für Industrielle gegen tarifmaßige Bezah- 
lung, in Ertheilung von Rathschlagen und Auskünften, sowie darin, dass eine Vorbilder- 
sammlong den Gewerbetreibenden zugänglich gemacht wurde. Diese Abtheilung des 
nunmehr erweiterten Institutes bildet noch immer dessen wesentlicbstenßestandtheil. Un- 
ausgesetzt laufen zahlreiche Bestellungen von Entwürfen ein; im Publicum sowie bei den 
Gewerbetreibenden hat man es verstanden, Freude und Wohlgefallen an schonen stil- 
gerechten Arbeiten zu wecken. Nicht weniger als 143 kunstgewerbliche Zeichnungen 
wurden im abgelaufenen Jahre auf Bestellung neu entworfen und ausgeführt. Copien 
dieser Entwürfe erhält der Besteller, die Originale bleiben Eigenthum der Anstalt. 
Wie manches andere derartige Institut in Deutschland verbindet auch dieses die 
technische mit der künstlerischen Seite, was bei dessen geringem Umfange auch voll- 
kommen durchführbar erscheint. Im Jahre 1878 wurde die Anstalt durch Einführung 
eines Fachunterrichtes erweitert. Dieser besteht in der künstlerischen Ausbildung von 8- I0 
Schülern für verschiedene Berufsarten, durch Anfertigung von Zeichnungen, Modellen und 
Farbenskizzen, sowie in Vortragen über architektonische Stillehre, die in jeder Woche 
zweimal stattfinden, - Gleichzeiti wurde ein Kunstgewerbemuseum errichtet, aus zwei 
Abtheilungen bestehend, die eine r mustergiltige alte Arbeiten, namentlich in Holz und 
Metall, die andere für neue kunstgewerbliche Gegenstände meist bremischen Ursprungs, 
welche hier vorübergehend zur Ausstellung gelangen. 
Als sehr vortheilhaft für die dortige Kunstindustrie sowie für das Gedeihen des 
Institutes haben sich die Vlieihnachts-Ausstellungen erwiesen, welche dadurch, dass eine 
Verlosung der ausgestellten Gegenstände damit verbunden ist, der Anstalt auch einen 
bedeutenden pecuniaren Nutzen zuführen. Seit längerer Zeit steht eine Gypsgießerei mit 
der Anstalt in Verbindung, deren illustrirter Katalog gegenwärtig 80 Nummern aufweist, 
von welchen die Abgüsse nach alten bremischen Holz- und Metallarbeiten besonders be- 
achtenswerth sind. Dieselben werden sowohl nach auswärts verkauft, wie auch gegen 
andere Abgüsse oder kunstgewerbliche Objecte in Tausch gegeben. 
Wir haben diese Mittheilungen dem Jahresberichte des Leiters dieser Anstalt, Di- 
rector Töpfer, entnommen, und zweifeln nicht, dass die darin ausgesprochene H08"- 
nung auf ein glückliches Gedeihen sich in vollstem Maße erfüllen wird. 
(Ein neues Oelfarbendrnck-Verfahren.) Ein Buchdrucker und Verleger in 
Herzogenbusch, Herr Henri Bogaerts, hat eine neue Methode des Bilderdrucks erfunden, 
welche die Oelmalerei in so täuschender Weise nachahmt, wie es mit dem bisherigen 
Verfahren, dem sogenannten Oelfarbendruck (Chromolithographie) nicht mögliclt war. 
Diese nPeinture Bogaertsß, wie der Erfinder sie betitelt hat, wird ohne Unterschied auf 
Malleinwand und auf Holz ausgeführt und gibt die Behandlung, die freieste Pinselführung 
und das lmpasto wieder, so dass stark impastirte Stellen sichtbar und fühlbar hervor- 
treten. Wie dieses Ergebniss erzielt wird, ist uns nicht bekannt. Der Unterschied zwi- 
schen derh Originalgemalde und dieser mechanischen Copie ist für ein ungeübtes Auge 
gar nicht zu sehen. Die Nachahmung der Behandlung ist so genau, dass man an dieser, 
die bei dem bisherigen Farbendrnclt immer die Copie verräth, sie nicht erkennen kann, 
eher an der Farbe, die etwas trüber und weniger glünzend ist als die des Originals. 
(Ein Bild von Dürer.) Unter mehreren alten Oelgemalden aus dem Nachlasse 
des im J. 1877 in Mainz verstorbenen Malers Veit, die sich jetzt im Besitze eines An- 
tiquitatenhündlers in Wiesbaden befinden, war ein gegen drei Fuß hohes und zwei Fuß 
breites Bild, welches schon nach oberiiächlicher Reinigung sich durch stylgerechte Zeich- 
nung, feine Ausführung und wundervolle Behandlung der Farben als Werk eines bedeu- 
tenden Meisters kennzeichnete. Nach vollständiger Reinigung zeigte sich oben rechts im 
Bilde das bekannte Monogramm Albrecht Dürers mit der Jahreszahl 1505. Das Bild 
zeigt das Schmerzensantlitz des Erlösers mit der Dornenkrone, zur Rechten den mit einem 
Turban bedeckten Kopf eines jüdischen Priesters, zur Linken den durch niedrigen Gesichts- 
ausdruck gekennzeichneten Kopf eines der Schieber. Farben und Leinwand sind gut cr- 
halten, bis auf einen kleinen Riss am oberen Rande, der aber die Zeichnung nicht 
berührt. 
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