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Volltext: Monatszeitschrift XXIII (1920 / Heft 7, 8, 9 und 10)

DAS HOFMOBILIENDEPOT. Unter den Einrichtungen, welche der früheren 
Hofhaltung dienten, nimmt das Hofmobiliendepot eine Sonderstellung ein. Als Auf- 
bewahrungsort, Püegestätte, Restaurieranstalt hat diese Einrichtung über den Rahmen 
eines Depots hinausgehende Bedeutung erlangt. Ihre Zweckbestimmung für die Bedürf- 
nisse der I-Iofhaltung hat sie der öffentlichen Aufmerksamkeit entzogen. Heute öffnen 
sich die Räume des mit allen praktischen Einrichtungen und mit reichern Inhalt aus- 
gestatteten Hauses in der Mariahilferstraße der allgemeinen Besichtigung. Damit wird 
eine Auswahl des wertvollsten Besitzes als Schauobjekt nutzbar gemacht. Der Bestand an 
alten und trefflich erhaltenen einzelnen Stücken, sowie an gleichzeitigen, abgeschlossenen 
Interieurs ist ein so großer, daß der Freund der Innenkunst älterer Zeiten reichen Genuß 
und jeder auf dem Gebiete der Inneneinrichtung praktisch Tätige reiche Belehrung 
empfangen wird, wenn er das große vorhandene Material kennen lernt." Die aus- 
gezeichnete Qualität. österreichischer Tischlerarbeit und gewerblicher Tüchtigkeit tritt 
hier augenfallig zutage. Die Zeit des Empire und die Parallelerscheinungen unter der 
Regierungszeit des Kaisers Franz bilden den Hauptinhalt des Bestandes. Es sind aber 
auch treffliche Stücke aus der Zeit Josefs II. und Maria Theresias vorhanden. Nun gilt es, 
das vorhandene Brauchbare als Studienmaterial und fruchtbringendes Kunstgut für die 
heranwachsende Generation zu erhalten. 
EIMATSCHÜTZ. Der Verein für Denkmalpflege und Heimatschutz in Nieder- 
österreich veranstaltete in seinen Räumen eine Schaustellung von Aquarellen und 
Zeichnungen aus der Wachau und den alten Teilen von Wien, welche Oberbaurat Ingenieur 
Rudolf Pichler angefertigt hat. Es sind Darstellungen mit Pinsel und Stift, farbig oder 
linear, fleißig und sorgfältig und immer gegenständlich. Architekturdetails und Ansichten, 
wie sie der Freund und Schätzer alter Kunst auf vielen Fahrten und Aufenthalten sammelte, 
zu denen ihm auch sein Beruf im Dienste des Landes und der Denkmalpflege Veranlassung 
gab. Sie werden den gleichgesinnten Beschauer auf manches wenig bekannte und reizvolle 
Bauwerk oder Baudetail aufmerksam machen und so die Freude und Freunde vermehren, 
welche die volkstümliche Bauweise, die heimischen Denkmale alter Städtebaukunst zu 
wecken vermögen. Für die Ziele des Heimatschutzes bedeutet diese vermehrte Kenntnis 
gleichfalls einen Gewinn. 
AS MUSEUM FÜRVOLKSKÜNDE. Nach langen und intensivenBemühungen, 
trotz Kriegszeit und Auflösung ideeller Gemeinsamkeiten hat Wien in diesen Tagen 
ein wertvolles geistiges Geschenk erhalten. Das Museum für Volkskunde ist im ehemals 
Schönbornschen Sommerpalast zur würdigen Aufstellung gelangt und dem Publikum zu- 
gänglich gemacht worden. Seit Gründung des Vereines für Österreichische Volkskunde sind 
2 5 ]ahre verflossen und diese Zeit hat genügt, um einen reichen Bestand an Dokumenten 
des Volkstums und der Volkskunst aufsammeln zu können, der nun in einem vornehmen 
Bau der Barockzeit wissenschaftlich geordnet und übersichtlich zusammengestellt der 
Benutzung von Forschern, Kunstfreunden und Künstlern bereitgestellt werden konnte. In 
dieser Tat liegt die Lebensarbeit eines begeisterten Kenners der volkstümlichen Eigenarten, 
eines emsigen Forschers und glücklichen Sammlers, der es erleben durfte, trotz aller 
Hemmungen durch Energie und Klugheit und den Glauben an die Bedeutung der Sache 
zu diesem schönen Ziel zu gelangen. Regierungsrat Dr. Haberlandt hat alle Volksstämme 
der früheren Monarchie in ihrer Entwicklung und Eigenart darzustellen gesucht, hat 
besonders die Randgebiete und dann auch die Nachbarvölker in den Kreis seiner Studien 
und seiner Sammeltätigkeit einbezogen und schließlich vereinzelte Gebiete angegliedert, die 
dem germanischen Kulturkreis angehören oder mit dem Süden der ehemaligen Monarchie 
' Das Österreichische Museum hat in seiner Monatsschrift bereits in den Jahren x9o3 bis 1906 die 
hauptsächlichsten Möbel und Bronzen des Hofmobiliendepots veröffentlicht („Kunst und Kunsthandwerk", VI, 
Hefte 6 bis 7, xo, VII, Heh 9, IX, Heft 10).
	        

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