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Volltext: Monatszeitschrift XXIII (1920 / Heft 11 und 12)

Einer Kunstart, die völlig anders '- 
beurteilt werden muß, gehören die be- r 
kleideten Figuren an (Abb. 3 und 4). 
Der Kopf ist aus Wachs, mit der Hand 
geformt, die Fleischfarbe bereits in der 
Mischung des Wachses enthalten, so 
daß der Stoff in seiner vollen Schön- 
heit zur Geltung kommt. Die Augen 
sind eingesetzte schwarz-weiße Glas- 
punkte, die Haare dunkelbraun gefärbt. 
Der Charakter eines solchen Wachs- 
gesichtes ist der einer Maske, unab- 
hängig von der gesamten Figur. Die 
Einheit des Ausdruckes ist in der 
Schnitziigur weit stärker erreicht. Der 
Kopf wird nach Typen (Engel, Greise, 
Mohren) verfertigt. Bisweilen ist der 
Charakter eines bestimmten Aus- 
druckes, zum Beispiel des Judas, aus- 
geprägt. Wir haben es mit ganz all- 
gemeinen oder Charaktertypen zu tun, 
von einer Anteilnahme an der Krippen- 
handlung ist, soweit es den Ausdruck 
der  betrifft, nicht  Rede. Der Abb. 3. BekleideteWacl-isflgur aus einer Salzburger 
künstlerische Wert  in der feinen Krippe, zweite Hälfte des XVIII. Jahrhunderts 
Durchbildung der Wachsköpfe. I-Iiezu 
kommt die Bekleidung als wichtigster Bestandteil. Die Kleidchen stehen in 
bauschigen Falten weg, der Körper darunter kommt nicht zum Vorschein. 
Diese Gestalten haben keinen 
Körper, sind nur Faltenwerk. 
Die einzelne Figur, als anato- 
misches Ding unmöglich, steht 
steif am Boden, steht über- 
haupt nicht, schwebt in der 
Luft. Die Schnitziiguren sind 
greifbar fest, wirklichen Men- 
schen oder Gestalten aus der 
großen Kunst nachgebildet, die 
bekleideten Krippenfiguren sind 
form- und körperlose Wesen, 
bloß auf den farbigen Eindruck 
hin berechnet. Dieser Eindruck 
setzt sich aus unzähligen Teil- 
 
 
Abb. 4. Bekleidete Wachsüguren aus einer Salzburger Krippe, _ 
um 18m chen, von denen Jedes den
	        

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