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Volltext: Monatszeitschrift XXIII (1920 / Heft 11 und 12)

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Abb. 5. Paradiesgärtlein aus Stift Nonnberg. XVIII. Jahrhundert 
der Mode der Zeit. Der schwarze König (Abb. 3) ist das Beispiel einer denk- 
bar reichen Barockfigur, die drei Apostel (Abb. 4) sind Biedermeiergestalten. 
DIE LANDSCHAFT. 
Die Landschaft gehört ebenso zum Wesen der Krippen wie die Figuren. 
Der Zusammenhang zwischen den beiden ist kein besonders enger, wenn die 
Figuren beweglich sind, er wirkt stärker, wenn sie fest gebaut sind. Er ist 
ferner verschieden je nach der Naturauffassung der Zeit. In dieser Hinsicht 
ist die Landschaft ein interessanter Abglanz der großen Kunst. Eine Fülle 
von Phantasie und Poesie steckt darinnen. Die barocke Landschaft ist drei- 
teilig: eine Rückwand und zwei Seitenflügel, die eine ebene Bühne um- 
grenzen, worauf die Figuren stehen. Die Landschaft bildet nur einen Rahmen 
und sucht keine enge Verbindung mit den Figuren herzustellen (Abb. 5 bis 10). 
Ganz so ist die Landschaft in barocken Fresken behandelt, oder die Land- 
schaft erstreckt sich bloß nach einer Richtung und es fehlen die Flügel. Das 
ist die spätere mehr naturalistische Art des XIX. Jahrhunderts (Abb. 10). 
Die Krippe (Abb. 5) gibt das Bild einer reinen Barocklandschaft. Ein kahler 
zusammenhängender Felsen ohne Gewächs. Der ganze Stock in ununter- 
brochenem Fluß von Bewegung, Linien, die sich krümmend ineinander ver- 
schlingen; kein ruhiger Punkt, keine gerade Linie, keine ebene Fläche, kein 
Teil greifbar. Ein malerisches Bild von Höhlungen und untastbaren Formen, 
gleich einem barocken Figurenrelief; und doch im ganzen architektonisch 
zugeschnitten und symmetrisch aufgebaut. Architektur und Natur ver- 
schmelzen miteinander oft so eng, daß man nicht weiß, wo die Natur auf- 
hört und die Architektur beginnt. Zum Beispiel das zackige Gebilde links 
oberhalb des Stalles, halb Fels, halb Ruine. Die Natur-formen ins Pathetische
	        

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