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Volltext: Monatszeitschrift XXIII (1920 / Heft 11 und 12)

 
ist, greift auch auf die Krippenfiguren über. Wie sich Figuren und Landschaft 
immer enger vereinigen, so schließen sich die Figuren mehr und mehr zu einer 
innerlich verbundenen Gruppe zusammen (Abb. I0). Die Aufmerksamkeit 
aller auf ein gemeinsames Ziel hin wird an jedem einzelnen deutlich sichtbar. 
Das Typische wird charakteristisch, jede einzelne Figur will ihren besonderen 
Anteil erzählen, den sie am heiligen Vorgang nimmt. Die Einheit wird streng 
durchgeführt, sodaß jede Gestalt allein im Zusammenhang mit dem Ganzen 
und in einer genau bestimmten Stelle verstanden werden kann (Abb. I0). 
Eine eigene Gruppe gegenständlich und der geistigen Auffassung nach 
bilden die Darstellungen, in denen sich das jesukind allein in der Land- 
schaft befindet, die sogenannten Paradiesgärtlein oder himmlischen Gärten, 
ungemein zarte, poetisch erfundene Sinnbilder der Verherrlichung des gött- 
lichen Kindes. Das kindlich Unschuldige findet hier dichterischen und künst- 
lerischen Ausdruck, stets umschrieben durch ein Sinnbild. 
Das Wertvollste ist ein Paradiesgarten vom Stift Nonnberg (Abb. 6) aus 
dem XVIII. Jahrhundert. In einem Garten, der von Felswänden umgrenzt 
ist, sitzt das Christkind als Hirtenknabe, schlafende Schäflein liegen zu seinen 
Füßen, Blumen wachsen aus den Felsen, seltsame bunte Paradiesvögel 
schauen von den Wänden herab. Die Landschaft ist der bekannte Krippen- 
berg der Barockzeit in feinster Ausführung. Reiche Einbildungskraft ist mit 
kindlicher Auffassung verbunden. Das Sinnbild wird zur zarten Dichtung. 
Das Idealreich der Dichter der Barockzeit ist die kulturlose unberührte 
ländliche Natur, der Idealmensch der unverdorbene, einfältige Hirte. Diese 
Auffassung dringt in sinnbildlicher Darstellung in alle Kunstwerke des 
Barocks ein, bald in weltlicher, bald in religiöser Form. Die Paradiesgärtlein 
sind eine religiöse Abart der barocken Hirtenidylle und sind künstlerisch 
und in der Auffassung mit den Krippendarstellungen verwandt. 
AUSSTELLUNG „EINFACHER HAUSRAT" Sh 
VON L. STEINMETZ-WIEN 50- 
UCH die Bevölkerung unseres Landes will sich ihrer 
Lebensgewohnheiten nicht entäußern, obwohl ihr 
das wirtschaftliche Fundament dafür entzogen ist. 
Man sucht die Kluft durch Modifikationen zu über- 
brücken und kommt zu neuen Lösungen. So dient 
Bedrängnis dem Fortschritt. Die wirtschaftliche 
Erschütterung aus den Folgen des Krieges richtet 
sich in erster Linie gegen die Nutznießer bisher 
ausreichend versorgender Existenz, denen schon 
die Erhaltung und Pflege des Hausstandes eine 
kaum erfüllbare Aufgabe geworden ist, während seine Neubegründung ganz 
unmöglich erscheint. Um da behilflich zu sein, um zu verhindern, daß die 
Verbindungsglieder zwischen gestern und heute zerfallen, hat das Öster- 
  
  
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