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Volltext: Monatszeitschrift XXIII (1920 / Heft 11 und 12)

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graviert und mit dem Stiche] ziseliert ist. Drei Spangen, die mit Blattwerk 
besetzt sind, verbinden die Fassung auf Deckel und Cupa. Die oberen 
Abschlüsse der Cupaspangen tragen je ein leeres Wappenbildchen. Im 
Deckelinnern liegt unter der Kristallplatte ein graviertes rundes Silber- 
medaillon mit dem Brustbild einer V 
jungen Frau in Frührenaissancetracht. 
Im Pokalinnem ruht, gleichfalls unter 
dem schützenden Kristall, eine grie- 
chische Diadochenmünze mit Bacchus- 
kopf, dessen Haare, mit Efeu bekränzt, 
hinten in eine hornartige Windung aus- 
laufen (nach Lehners Beschreibung). 
Der obere Rand der Cupa und der 
flache Fußrand sind mit je acht rörni- 
schen Kaiserdenaren besetzt. Die gra- 
vierte Omamenük der Silberteile besteht 
der Hauptsache nach aus Laubwerk- 
und Bandelwerkfriesen im Stile der 
späteren Frührenaissance. Die Ver- 
bindung des Nodus mit dem Fuße bil- 
den drei gegossene hübsche geflügelte 
Engelsköpfchen auf Tierfüßchen. Das 
ganze Werk in seiner delikaten, äußerst 
geschmackvollen Durchführung spricht 
dafür, daß sein Meister die Formen der 
Augsburger Renaissance um 1530 bis 
1540 vollkommen beherrschte und wohl 
auch dort seine Lehrzeit durchgemacht 
hat. Auf der Unterseite des Fußes 
erblicken wir unter dem Krütall das 
Wiener Stadtzeichen eingeschlagen, 
und zwar in der bei Rosenberg" ab- 
gebildeten Form, die nach Rosenberg 
und Knies" für vierzehnlötiges Wiener 
slber vom Ende des  Jahrhunderts Abb. z. Kristzllpokal mitWiener Silberfassung 
bis x674 üblich war. Diese Angabe wird ' (Museum z" Sxgmmnge") 
durch den Sigmaringer Pokal insofern berichtigt, als diese Marke mit den 
zwei flankierenden Punkten schon gegen das Ende der ersten Hälfte des 
XVI. jahrhunderts angewendet wurde. Leider läßt sich auf dem Pokal ein 
Meisterzeichen nicht entdecken, aber die Tatsache, daß das feine Werk in 
Wien entstand, beweist zur Genüge die hohe Blüte des Goldschmiede- 
handwerkes während der Renaissance in der alten Kaiserstadt. 
' „Der Goldschmiede Merkzeichen", z. Auflage, Nr. 5065. 
u: „Die punzigrung in Österreich". 1896, Seite 70, Tafel II, Fig. 3. 
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