MAK

Volltext: Monatszeitschrift XXIII (1920 / Heft 11 und 12)

von Kunstobjekten für den Staat verlangt, während alle übrigen Gegenstände 
den Erben zu freier Verfügung überlassen werden sollten. Diese Verhand- 
lungen wurden während des Jahres 1920 fortgesetzt und gelangten zum Ab- 
schlüsse, als die Palffyschen Erben, vorbehaltlich der Zustimmung der Staats- 
verwaltung, das Palais samt Kunstsammlung an ein Konsortium zu verkaufen 
beabsichtigten, welches die Verpflichtung zu übernehmen bereit war, die 
Ansprüche des Staates auf bestimmte hochwertige Objekte der Sammlung 
zu befriedigen. Dieses Übereinkommen wurde auf Grund einer vom Öster- 
reichischen Museum im Einvernehmen mit den Bundesministerien für Inneres 
und Unterricht und für Handel und Gewerbe, sowie des Staatsdenkmal- 
amtes verfaßten Liste getroffen. Sonach erhielt der Staat 42 Objekte: ein 
Damenporträt von Füger aus dem Jahre 1813, die obengenannte Miniatur der 
Bigottini von Isabey (datiert 1814), eine Bildnisminiatur des Fürsten Karl 
Schwarzenberg von Guerard, ferner I4 hervorragende Bronzen (Uhren, Giran- 
dolen, Leuchter, Vasen etc.), darunter ein Meisterstück von Thomire, eine 
Uhr mit der Figur des Atlas, sowie eine Uhr von Ravrio, weiters eine große 
Sevres-Vase und zwei Wiener Räuchergefäße und 22 Möbel (Sitzgarnituren, 
Kästen, Schränke, Konsoltische usw.), meist französische Empirearbeiten, 
und einen Wiener Orgelkasten von Thomas Höfs. Die drei Bilder wurden 
der Staatsgalerie übergeben, sämtliche Bronzen und Möbel gelangten in den 
Besitz des Österreichischen Museums, das hiedurch eine überaus wertvolle 
Bereicherung seiner Sammlung von Objekten des Empirestils empfing. Diese 
Kollektion wurde bis auf weiteres im Sitzungssaal des Instituts zur Aufstellung 
gebracht. Wir behalten uns eine nähere Besprechung dieser hervorragenden 
Kunstwerke vor. 
AUS DEM WIENER KUNSTLEBEN 50' VON 
HARTWIG FISCHEL-VVIEN 50' 
QSEF HOFFMANN. Die Zeitabschnitte, in welche wir das Leben der Menschen 
einzuteilen lieben, geben uns manchmal willkommenen Anlaß, ihrer Wertschätzung 
besonderen Ausdruck zu geben. Josef Hoffmann hat sein fünfzigstes Lebensjahr vollendet 
und die Verehrer seiner Kunst sowie berufene Faktoren in Heimat und Fremde haben sich 
beeilt, ihm gegenüber auszudrücken, wie sehr sie die Bedeutung seines Werkes würdigen. 
Was in solchen Augenblicken und in so verworrenen Zeiten einem Künstler geboten 
werden kann, ist wenig. Was Hoffmann seinem Vaterland und der Kunst geleistet hat, ist 
viel. Als er aus einem Kreise begeisterter arbeitsfroher Künstler hervortrat, die der Kunst 
ihrer Zeit mit Schwung und Tatkraft freie Bahn gewannen, war von den schaffenden 
der neu eroberte Boden neu zu bereiten. Hoffmann war einer derjenigen, welche am 
klarsten erkannten, was nottat, am eifrigsten anzubauen und guten fruchtbaren Samen 
in tragfähigen Boden zu senken verstanden. Er selbst befreite sich bald von den Unklarheiten 
der Anfänge und errang jene bestimmte, klare, zielbewußte Kraft, welche das Kennzeichen 
der Meisterschaft bildet. Er wurde zum Führer einer heranwachsenden Jugend, aus der 
immer wieder neue produktive Kräfte hervorwuchsen, die selbst zu Führenden wurden 
und an dem Anbau mitwirkten, dessen Begründer und wichtigster Kopf er geblieben ist. 
Lehrend und schatfend, befruchtend und neugestaltend hat Hoffmann die Österreichische
	        

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