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Volltext: Monatszeitschrift XXIII (1920 / Heft 11 und 12)

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Schaifenssphäre, zerrüttungslose Versenkung und starke Schau bedeuten." So kennzeichnet 
diese Gruppe selbst ihr Beginnen und sicherlich muß es die heute von der Provinz so 
vielfach angefeindete Großstadt freudig begrüßen, wenn sich tüchtige Kräfte im Bewußtsein 
ihres Wertes, doch aber auch als Respekt äußernde Gäste, mit ihrer Arbeit hier einfinden. 
In dieser Geste liegt das begreifliche und berechtigte Betonen provinziellen Zusammenhalts, 
zugleich aber auch die Wertschätzung der Großstadt, des künstlerischen Zentralpunktes, 
der Höchstleistungen zu bieten vermag. Eine gewisse Ausgeglichenheit der Arbeit, die für 
uns nichts Fremdes oder Unverständliches besitzt, verbindet die Leistungen, die vielfach 
so wirken, als wäre der Kontakt der Provinz mit dem Zentrum in künstlerischen Dingen 
nie abgerissen, als wäre der Zusammenhang stets lebendig geblieben. Die Arbeiten Fritz 
Silberbauers (Graz), der als Graphiker und Maler am vielseitigsten und reichsten vertreten 
ist, zeigen vielleicht am deutlichsten die Ausstrahlungen des Sammelpunktes Wien. Auch 
in ihm wirken verschiedene Naturen. Der subtile Zeichner und Illustrator, der auch „Tor 
und Tod" von Hoßmannsthal interpretiert, tritt als Landschafter mit stark farbigen 
Phantasien uns ganz anders und viel jünger entgegen, als seine Graphik vermuten ließe. 
Graphik und Aquarell herrschen vor und haben in Emmy Singer eine feine Beobachtung 
der Landschaft und in Norbertine Breßlern-Roth eine gute Freundin der Tierwelt zu 
geschmackvollen Darstellungen geführt. 
Dr. Leskoscheks stilisierte Sonderbarkeiten sind in Wien bekannt und nähern sich 
glücklicherweise immer mehr dem Boden der Verständigung. 
Die übrigen Räume wurden von Mitgliedern der Sezession mit manchem reizvollen 
Werk geschmückt. Man lernt Grom-Rottmayer als feinfühligen Porträtzeichner kennen, 
der die Reize der Kindlichkeit mit zartem lithographischem Strich geschmackvoll 
festhält. 
Man freut sich der farbenstarken Stilleben Irene Hölzer-Weinecks, der eigenartigen 
farbigen Zeichnungen Hans Figuras und der feintonigen Bilder von Franz Gruß. Manche 
weniger bekannte Kräfte gelangten hier zur verdienten Geltung und manche längst bekannte 
Größe gab zurückhaltend von ihrer Gegenwart Kenntnis. Man fühlte, daß den Gästen der 
Vortritt gelassen wurde, und darin liegt nicht bloß Höflichkeit, sondern sicher auch die 
kluge Einsicht, daß die Gegenwart den Zusammenschluß aller Kräfte und nicht ihre Zer- 
splitterung benötigt. Unsere Vereinigungen weisen vielfach in die Provinz versprengte 
Mitglieder auf. Sie mögen mit dazu beitragen, daß dort, wo in der Provinz neues kräftiges 
Leben sich regt, wirksame Gemeinsamkeiten aufgerichtet werden, doch keine Feindschaft 
gegen das Zentrum einschleicht, welche auf anderen Gebieten so schädliche Wirkungen 
gezeitigt hat. 
Wien muß der Tummelplatz geistiger Rührigkeit wieder werden, der -es in seinen 
besten Zeiten stets gewesen ist. 
AGENBUND. In der Zedlitzhalle hatte die jüngste Künstlergruppe fast allein eine 
Schaustellung ihrer Arbeiten veranstaltet (November 1920 bis Februar x92 1). Unter 
ihnen wieder bildeten die sich ergänzenden Kollektionen der Malerin Hildegard Jone und 
Josef I-Iumpliks, des Bildhauers, den wichtigsten Teil. In beiden drängte ein intensives 
inneres Leben zu mächtigem, neuem Ausdruck, der die Formen und Grenzen der Ausdrucks- 
möglichkeit fast zu sprengen scheint. Hildegard jone ist bemüht, in den Gesichtern über- 
lebensgroßer Köpfe, die in einer merkwürdig vibrierenden und zarttonigen Farbenwirkung 
schillern, ihre inneren Gesichte überzeugend zum sinnlichen Leben zu erwecken. Der Größe 
dieses Wollens ist die Größe des Gelingens nicht parallel gegangen. so groß und ernst ihr 
Ringen um Ausdruck auch wirkt. Der Bildhauer wählte weit engeren Maßstab und ver- 
ständlichere Mittel, mit denen er seinen heftigen Erregungen durch Bewegtheit der Ge- 
staltungen Form gab. Wo diese Form durch Nichtbeachtung gewisser fundamentaler 
Gesetze, wie des Gleichgewichtes der Massen erzwungen wird, erweckt auch er mehr 
Erstaunen als Genuß. Wo in ihm die Ruhe der Selbstbeherrschung überwiegt, löst er die
	        

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