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Volltext: Monatszeitschrift XXIII (1920 / Heft 11 und 12)

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Freude am Gelingen seines Werkes im Beschauer aus. Das ist bei mehreren Porträten 
und manchen Figuren voll erreicht. Immer bleibt auch hier selbst im Widerspruch die 
Achtung vor dem Talent verborgen. 
Von den übrigen Mitgliedern der Gruppe waren einige mit neuen Seiten ihres Wesens 
hervorgetreten. Die schönen Akte Robert Philippis zeigten den Künstler von einer der 
Natur zugewendeten Seite, was seine strengen Holzschnitte wohltätig ergänzt. 
Egge Sturm-Skrla trat im Anschluß an Architekt Hans Hloucals Bauprojekte mit 
ernsten Kompositionen für Wandmalerei auf, daneben waren auch fein empfundene 
graphische Studien nach dem Leben von ihm zu sehen. Eigenartige Landschaften ließen 
Peter Breithut als Stilisten erscheinen. 
Die Münchner neue Sezession war durch interessante, lebensvolle tigurale Steindrucke 
von Otto Kopp und eigenartige architektonische Zeichnungen von Hans Gött vertreten, die 
den Expressionismus im Straßenbild zeigten. 
Der geschickt ausgestattete Raum, in dem Projekte und Modelle I-Ians I-Iloucals ver- 
einigt waren, läßt ein noch unausgeglichenes Wollen und Können in die Erscheinung treten. 
Am meisten erscheint das Kirchenprojekt innerlich abgerundet, während ein reicher Schrank 
trotz mancher Vorzüge den Widerstreit neuer Formgebung mit traditioneller Konvention 
nicht ganz überwindet. 
VACI-IROM-AUSSTELLUNG. Die staatliche Lichtbildstelle veranstaltete eine 
Ausstellung, welche der Einführung und Verbreitung von Kenntnissen auf dem Gebiete 
der Farbenphotographie diente. Das von Dr. Adolf Traube, München, erfundene Uvachrom- 
verfahren, welches einen bedeutenden Fortschritt darstellt und unsere Reproduktions- 
technik um die Möglichkeit der leichten Vervielfältigung vorzüglicher farbiger Aufnahmen 
bereichert, wurde für Österreich durch eine Patenterwerbung gesichert. Dr. Traube baute 
auf dem alten Prinzip der Dreifarbenaufnahme ein sehr verbessertes System auf, das 
große Richtigkeit der Farbenwerte, eine unbegrenzte Vergrößerungsfähigkeit und Projizier- 
barkeit der Diapositivbilder bietet. Es ermöglicht ein sehr vervollkommnetes Druckverfahren 
ohne Raster, eine leichte Verwendbarkeit für didaktische Zwecke und bringt neues Leben 
in das Gebiet der Reproduktion in natürlichen Farben. Die staatliche Lichtbildstelle unter 
Führung ihres Leiters Dr. Rudolf Guby hat in einer anziehenden Ausstellung und durch 
Abhaltung von Vorträgen mit Lichtbildern zur Verbreitung der Kenntnis dieser wert- 
vollen Neuerung wesentlich beigetragen und sich damit ein Verdienst um die Förderung 
der Entwicklung unseres Reproduktionswesens erworben. 
GRAPHISCHE KUNST. Schärfer und eindringlicher als jede andere künstlerische 
Betätigung vermag die Graphik den Zeitströmungen unmittelbaren Ausdruck zu geben. 
Ihre Mittel sind begrenzt, ihre Werke an die Fläche gebunden, dafür leicht zugänglich und 
weiter Verbreitung fähig. In ihren Wirkungsbereich fallen nicht nur rein künstlerische 
Ziele, sondern auch Probleme geistiger Entwicklung. Sie darf in gewissem Sinne Programm- 
kunst sein. 
Eine Erscheinung von starker Eigenart ist Käthe Kollwitz, der jüngst vom Kunstsalon 
Würthle ä Sohn eine anregende Kollektivschau gewidmet wurde. Sie enthielt jene Arbeiten 
aus früherer Zeit, in denen die Künstlerin ihr malerisches Darstellungsvermögen dem 
sozialen Elend widmete. Radierungen von ergreifendem Inhalt und ernster Konzentriertheit 
der Darstellung regen unser Auge durch tonige Kraft und zeichnerische Charakterisierungs- 
kunst an, während sie das Gemüt durch den Inhalt des Gegenständlichen aufzurütteln und 
zu packen geeignet sind. Allmählich lösen sich dann die erzählenden und inhaltsreichen 
Bildwirkungen auf und machen Einzelschilderungen in größerem Format und vereinfachter 
Gegenständlichkeit Platz. Die Künstlerin wächst in ihren Lithographien fast zur monumen- 
talen Größe. je mehr die soziale Tendenz und der reiche Vorgang zurücktreten, desto mehr 
gewinnt ihre Strenge und Zielsicherheit an Bedeutung.
	        

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