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Volltext: Monatszeitschrift XXIII (1920 / Heft 11 und 12)

Der Kaiser genehmigte diesen Antrag zunächst noch nicht, sondern resolvierte am 
3. März 1810: „Vor allem ist mir das Verzeichnis der von den Franzosen aus der Bilder- 
galerie weggeführten Gemälde vorzulegen." Hierüber scheint vorerst - wenigstens 
schriftlich - nichts verfügt worden zu sein. 
Am 28. März 1810 machtFüger denVorschlag, bei den jetzt freundlicherenBeziehungen 
zum französischen Hofe (offenbar ist hier auf den Wiener Frieden vorn 13. Jänner 1810, 
vielleicht auch auf die Allianz Napoleons mit dem österreichischen Kaiserhause angespielt) 
den Versuch zu machen, die entführten Bilder wenigstens teilweise in ähnlicherArt zurück 
zu erlangen wie die Kriegsgefangenen, allenfalls auch einige der am meisten verrnißten 
Stücke (zum Beispiel den großen Rubens „Himmelfahrt") gegen Tausch mit anderen, 
uns minder wertvollen Stücken. Dieser Vorschlag wurde lediglich zu den Akten gelegt. 
Am 30. Juli 1810 berichtet Füger, daß die 54 Kisten mit den geilüchteten Bildern aus 
Ungarn wieder zurückgelangt sind. Der Antrag wegen Belohnung Fügers beruht nun auf 
sich, bis unter dem 16. Februar 1813 auf den oben erwähnten Vortrag des Oberstkäm- 
rnerers vom 17. Februar 1810 die Resolution erfließt: „Ich nehme diese Auskunft zur 
Nachricht und kann bei dem großen Verluste, den die Galerie erlitten, für den Direktor 
Füger keine Belohnung stattfinden." 
Noch im selben Jahre kam die Galerie neuerlich in die Lage, Vorsichtsmaßregeln zu 
treffen. Angesichts der drohenden Kriegsgefahr wurden nämlich im August 1813 innerhalb 
acht Tagen 1235 Gemälde der Galerie in 124 Kisten verpackt. Dies war nach Fügers 
Meldung nur möglich durch Zuhilfenahme des Korps der akademischen bildenden Künstler 
unter ihrem Kommandanten Ritter von Lampi, welche unter Leitung der Galeriebeamten 
undMitwirkung desHofbauamtesTag undNacht arbeiteten. Zu einemAbtransport scheint es 
damals nicht gekommen zu sein. Mit 1 1. Jänner 1814 ergeht ein Allerhöchstes Handschreiben 
an den Minister_Grafen Zichy, in welchem der Kaiser von allen seitens der Franzosen 
weggenommenen Akten, Büchern und Kunstwerken ein genaues Verzeichnis zu erhalten 
wünscht. Am 17. Oktober 1814 teilt Staatskanzler Metternich mit, daß die französische 
Regierung für die seinerzeit weggenommenen Kunstgegenstände Ersatz zu leisten hätte. 
Ein solcher wird beansprucht für die Münzen und Antiken sowie für die Bilder, und zwar 
für letztere nach Vorschlag Fügers durch Bilder einiger französischer Maler, die er in einem 
Metternich mitgeteilten, jedoch in den Akten nicht crliegenden Verzeichnisse näher be- 
zeichnet hat. In Gegensatz zu diesen Mitteilungen steht eine weitere Note Metternichs 
vom 19. März 1815, wonach „Denon seine Arbeit über die uns zurückzustellenden Gemälde" 
(also nicht mehr Ersatz durch französische Bilder, sondern Rückerstattung der weggenom- 
menen Originale) „vollendet habe und dern Grafen von Blacas nächstens vorlegen werde, 
damit dieser darüber die Befehle des Königs einholen könne". Dabei wird bemerkt, „daB 
der wenig gute Wille, welcher von besagtem Denon gezeigt, und die Zögerungen, welche 
von ihm veranlaßt wurden, die k. k. Kommissäre bewogen haben, dem Grafen Blacas unter 
dem a4. Februar eine neue dringende Note zur Betreibung des Geschäftes zu über- 
geben". 
Am g. Dezember 1815 meldet Füger: Der von Paris erwartete, 26 Kisten umfassende 
Transport unserer ehemaligen Galeriegemälde ist am 3a. November eingelangt. Das große 
Bild Himmelfahrt Mariä von Rubens ist ohne weitere Zufälle in dem Zustande, in welchem 
es in Paris eingepackt war, befunden worden. Die Zusammenfügung des Holzwerkes wird 
eine schwierige und langsame Operation erfordern. Die aufgerollten großen Bilder von 
Thulden, Champaigne, Solimena, Zoffani sind ebenfalls gut erhalten angekommen." Sie 
"' Über das Rücklangen der Bilder aus Frankreich ist in Engertbs eingangs erwähntern Katalog das (aus 
den Galerieakten geschöpfte) genaue Detail zu ersehen. Darnach waren 401 Bilder weggenommen worden und 
365 zurückgelangt, also um 35 weniger. Unter den zurückgebliebenen sind allerdings erste Namen wie Tizian, 
Dilrer. Rubens und einige der besten Niederländer, doch handelt es sich nach Engerths durch die genaueren 
Angaben des Verzeichnisses gestützter Annahme durchwegs um Stücke, deren Verlust - wenigstens nach den 
damaligen Anschauungen - zu verschmerzen war.
	        

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