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Volltext: Monatszeitschrift XXIII (1920 / Heft 11 und 12)

müssen nebst dem Bilde von Rubens zuerst aufgestellt werden, weil die Einteilung der 
kleineren Stücke davon abhängt. Diese im ersten Stock vorzunehmenden Arbeiten werden 
vor dem Winter kaum vollendet werden. Die Aufstellung der Gemälde aus der alt- 
deutschen, niederländischen und italienischen Schule im zweiten Stock kann daher nicht 
vor dem Frühjahre geschehen, weil die Restaurierung mehrerer Stücke, die durch die 
schlechte Beschaffenheit der Pariser Kisten unterwegs gelitten haben, auch einige Zeit 
brauchen wird. „Da aber laut den zurückerhaltenen Originalverzeichnissen noch eine 
beträchtliche Zahl der uns zugehörigen Bilder abgeht und bei diesem ganzen Transport 
sich nichts von einem Äquivalent vorgefunden hat, was ich Sr. Majestät bei Ihrem 
Ah. Besuche in unserer Galerie schon damals vorzuschlagen für meine Pliicht hielt, so 
muß ich über diesen Gegenstand ein bestimmtes Resultat erwarten, ehe eine definitive 
Vollendung unseres Galerie-Arrangements stattfinden kann." 
Über diesen Bericht erhielt Füger vorn Oberstkämmerer die Aufforderung, bekannt zu 
geben, „ob und welche Stücke ohne Hoffnung einer Wiedererhaltung noch abgehen, 
und welche bestimmte Entschädigung dafür zu wünschen wäre". 
Weitere Akten hierüber fehlen jedoch, so daß anzunehmen ist, die zuletzt erwähnte 
Anregung sei nicht weiter verfolgt worden. 
Damit ist auch allem Anscheine nach der Vorschlag auf Auszeichnung Fügers trotz 
der Wärme, mit der sich der ihm Vorgesetzte Oberstkämmerer dafür eingesetzt hatte, 
endgültig abgetan}: So kam Füger um die nach unseren heutigen Begriffen ohnedies recht 
bescheidenen Ehren, die ihm so sehr gebührt hätten. War er doch nicht nur als Künstler 
von hoher, erst uns Nachgeborenen so recht bewußt gewordener Bedeutung; denn seine 
Zeit wie die unmittelbar folgende beurteilte ihn ausschließlich nach seinen großen 
Historienbildern, die, dem Zuge der klassizistischen Epoche folgend streng akademisch in 
der Komposition und süßlich in der Farbe, sich nicht wesentlich von den Leistungen seiner 
hervorragenderen Zeitgenossen unterschieden, während erst unsere Generation die an die 
besten Engländer gemahnenden Qualitäten seiner Porträte (ich erinnere speziell an das 
herrliche Bildnis seiner Frau in der Galerie des kunsthistorischen Museums) und seiner 
unvergleichlichen Miniaturbildnisse voll schätzen lernte. Neben diesem hohen Niveau 
seines i_n späteren Jahren durch ein Augenübel stark beeinträchtigten Schaffens stand 
Füger als kunsthistorisch gebildeter Kenner wie als Beamter von ausgebreitetem Wissen 
und allgemeiner Bildung hoch über dem Durchschnitte. Am meisten aber gilt wohl, daß er, 
wie auch aus seinem Verhalten im Jahre x8o9 hervorgeht, ein Mann von Gesinnung und 
Charakter war. Nicht einmal den Titel eines kaiserlichen Rates konnte er erringen, eine 
Auszeichnung, die übrigens damals weit mehr bedeutete als in der unmittelbar hinter uns 
liegenden Epoche. In der Haltung des Kaisers Franz gegenüber Füger bestätigt sich, daß ' 
hinter der im volkstümlichen Bilde dieses Herrschers fortlebenden Bonhommie sich ein 
mitunter durchaus nicht wohlwollendes und eigensinnig festgehaltenes Urteil verbarg. 
Wilhelm Weckbecker 
UR IKONOGRAPI-IIE DES I-IEILIGEN CI-IRISTOPI-IORUS." In dem 
umfangreichen Inventar an christlichen l-leiligendarstellungen gehören die des heiligen 
Christophorus mit zu den beliebtesten und zahlreichsten. Auf Wandgemälden, besonders 
in den Alpenländern, in der Miniaturmalerei, in Werken der Plastik und der Tafelmalerei 
und, seit der ersten Hälfte des XV. Jahrhunderts, auch in der Graphik treHen wir immer 
wieder den hochgewachsenen bärtigen Riesen, der so ernsthaft und treu seine Last durch 
die Wellen trägt. Die Art, wie Stahl an sein Thema herangeht, das den graphischen 
" In der Todesanzeige wird Füger als „RaW bezeichnet. Das bezieht sich jedoch auf seine Stellung als 
akademischer Rat (Mitglied der Akademie der bildenden Künste). 
"' Ernst Konrad Stahl. "Die Legende vom heiligen Riesen Christophorus in der Graphik des XV. und 
XVI. jahrhunderts, ein entwieklungsgeschichtlicher Versuch", München, j. j. Lenmersche Buchhandlung, rgzo. 
Fol. Tafel- und x Textbuch.
	        

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