MAK

Volltext: Monatszeitschrift XXIII (1920 / Heft 11 und 12)

großen Deutungsbücher als zeitlebendigere Kunstwerke als diejenigen, welche heute auf 
der Leinwand entstehen. 
Dieser Meinung werden wohl in erster Linie seine Kollegen auf dem Gebiete der 
Kunstforschung zustimmen, während seine allgemeinen kunstkritischen Betrachtungen 
wohl auch den Künstlern nahegehen und lebhaft miternpfunden werden. H. F. 
LTHOLLÄNDISCHE BILDER." Unter den bisher erschienenen Bänden dieser 
Bibliothek für Sammler ist der vorliegende einer der besten, weil er tatsächlich auf 
die Bedürfnisse und Wünsche der Sammler in musterhafter Weise eingeht. Die große 
umfassende Praxis, die dem verdienten Verfasser, dem Direktor der königlichen Gemälde- 
galerie, des Mauritshuis im Haag, in hohen Maße zur Verfügung steht, spricht aus seinen 
klaren Ausführungen, die voll Anregungen und Belehrungsmöglichkeiten sind. Jeder, der 
auf Martins Art und an der Hand seiner Argumente und Mitteilungen das praktische 
Studium der Bilder betreibt, wird sehr viel lernen können. Methodologisch besonders 
wertvoll ist das Kapitel, das sich mit dem Bestimmen der Bilder und der Wissenschaft 
der Stilkritik beschäftigt, und zwar wegen der Fülle von klugen und bedeutsamen Aus- 
führungen und Bemerkungen, die nicht nur dem Sammler, sondern auch dem Museums- 
beamten viel Neues gewähren können. Ebenso große Bedeutung kommt dem Kapitel über 
das Erhalten und Restaurieren der Bilder zu. 
Die Abbildungen sind klug und sachdienlich vom Autor ausgesucht und unterstützen 
die klare Darstellung bestens. E. W. Braun 
IÄMKE F. H. „ZUR KRISIS DER KUNSTW": Von gewandter Feder, deren 
Führer im kunstgewerblichen Leben der Gegenwart eine Rolle spielt und schon 
wiederholt in Tagesfragen das Wort ergriffen hat, werden wichtige und aktuelle Dinge vor- 
gebracht. In seiner kleinen Broschüre „Zur Krisis der Kunst" nimmt F. I-I. Ehmke einerseits 
Stellung zur jüngsten Bewegung, welche in der bewußten Abwendung vom Anschluß an 
die Natur eine neue Ausdrucksform zu finden sucht, und anerkennt ihre Bedeutung in dem 
Sinne, daß er durch sie eine „Auffrischung der Säfte, einen Zuschuß von Phantasie, von 
neuer Formkraft, kurz von beseelter Materie für das Kunstgewerbe" erhofft, bei dessen Fort- 
entwicklung er einen eingetretenen Stillstand konstatiert. Er opponiert zugleich der ableh- 
nenden Haltung, welche die vorwiegend aus Malern hervorgegangene expressionistische 
Gruppe dem Kunsthandwerk gegenüber einnimmt und in denen er doch „verkappte Kunst- 
gewerbler" erblickt, die nur durch Kunsttheorien in die Irre geführt werden. 
ß Das so wichtige Ziel der Kräfdgung und Ausbreitung tüchtiger Werkkunst will Ehmke 
auch dadurch gefördert sehen, daß die strenge Scheidung der blutleer gewordenen Kunstaka- 
dernien von den Kunstgewerbeschulen aufgehoben werde; in der Zuwendung der gesamten 
künstlerischen Kräfte zu den Arbeiten in verschiedenen Materialien mit Benutzung und 
Erwerbung handwerklicher Fertigkeiten will er eine Gesundung des ganzen Kunstlebens 
herbeiführen, dessen Spaltung in so viele Lager eine Zersplitterung der Kräfte bedeutet, 
während die Not unserer Zeit und die Gefährdung der Kunst wie der Kulturziele ja unbedingt 
eine Konzentration aller Kräfte auf bestimmte erreichbare Ziele notwendig erscheinen lassen. 
Sicher ist es wohl, daß noch niemals so sehr wie heute und nirgends so sehr wie 
in unserem Vaterland die Anspannung aller Mittel und Fähigkeiten zur Festhaltung des 
erreichten Niveaus und zum Ausbau der so gefährdeten künstlerischen Errungenschaften 
benötigt wird. Die wirtschaftliche Not proletarisiert auch den Künstler, wenn nicht ein 
Zusammenschluß seine Stellung stärkt, und jede Neuausbildung und Erziehung zur Kunst 
wäre gewissenlos, wenn der Anschluß an wirtschaftlich und künstlerisch gesunde 
Betätigungsformen nicht gleichzeitig gefördert Würde- 
' W. Martin, „Altholländische Bilder", Berlin, Richard Carl Schmidt k Co., Band 13 der Bibliothek für 
Kunn- und Antiquitätensammler. Mit 1:7 Abbildungen. 
"i" Verlag Eugen Dietrichs, jena 192a.
	        

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