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Volltext: Monatszeitschrift XXIV (1921 / Heft 1, 2, 3 und 4)

stärkerer Kett- und Schußfäden nicht ver- 
Der orientalische Teppich schlechthin ist für uns der Knüpfteppich. Es 
ist seit J. Lessing"' üblich, die Knüpftechnik als eine primitive im zeitlichen 
wie kulturellen Sinne zu bezeichnen. Will man die Grundlagen dieser 
Meinung nachprüfen, muß man staunend feststellen, daß sie überhaupt 
fehlen. Denn weder lag die Knüpferei in den Prämissen oder der Ent- 
wicklungsrichtung" der antiken Textilkunst, noch kann aus dem Gebiete der 
Völkerkunde eine wirklich primitive Knüpfarbeit beigebracht werden, wovon 
sich jedermann bei einem Gange durch ein Völkerkundemuseum überzeugen 
kann. Es lassen aber auch der Zweck, der mit der Knüpftechnik verfolgt 
wird, wie ihr Charakter an sich sie als durchaus sekundär erscheinen. Denn 
sie setzt durch die Verwendung des Einschlages die technisch voll ent- 
wickelte Weberei voraus - anders als die Wirkerei, die nur deren Abart 
ist _, und sie ist bedingt durch eine erfinderische Leistung, die sich als 
solche als primär oder primitiv nicht erweisen läßt. Die Anknüpfung der 
Fadenbüschel an eine Kette in senkrechter 
Richtung in die Höhe soll eine Verstärkung 
des Gewebes ohne seine Unhandlich- 
machung erreichen, die sich beiVerwendung 
meiden ließefh" Es liegt also der Fall eines 
Wechsels innerhalb der Techniken, besser 
der Anschmiegung einer Technik an raffi- 
niertere Zwecke - geringes Gewicht, Elasti- 
zität s durch Aufnahme einer zweiten vor, 
komplizierteVorgänge, die es voll begreiflich 
erscheinen lassen, daß sich die Knüpfung bei 
Völkern, die keinen höheren Kultureinfiüssen 
unterlegen sein können, nicht findet. Freilich 
war das Ziel, das man mittels der Knüpferei 
erstrebt, technisch auch durch die Plüsch- 
Weberei zu erreichen, und man möchte auch 
hier vermuten, daß die Verbindung von 
Hand- und Maschinenarbeit, die die Knüpf- 
technik zeigt, jener gegenüber nicht primitiv, 
sondern sekundär ist, also nicht ursprünglich, 
sondern als Nachahmung, der die technischen 
Schwierigkeiten nicht überwindbar waren, 
anderseits Arbeitskräfte nichts bedeuteten, 
also als Verkümmerung entstand. Daraufhin 
"i „Altorientalische Teppichmuster" (Berlin x 877), Seite 7. 
- A. Riegl in B. Bucher, „Geschichte der technischen Künste" 
(Stuttgart 1893), III, Seite 343. 
i" Hätte die Antike sie gekannt, so hätte der ägyptische 
Boden Reste bewahrt. 
'" Ich folge der klassischen Definition A. Riegls, „Alt- 
orientalische Teppiche" (Berlin rügt), Seite 37 r. Abb- 1- Bäläklik (Turfßnywandzßmälde 
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