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Volltext: Monatszeitschrift XXIV (1921 / Heft 1, 2, 3 und 4)

führt auch, daß die bisher ältesten Knüpfarbeiten, zugleich die ältesten Spuren 
des orientalischen Knüpfteppichs in einer Gegend aus einer Zeitschicht ge- 
funden wurden, die nach unseren Kenntnissen sich wohl als sehr zivilisiert, 
aber nicht als Pflanzstätte originaler Kultur erweist: Turkestan. Strzygowski 
hat als erster darauf hingewiesenf" daß durch die Arbeiten M. A. Steins und der 
preußischen Turfanexpeditionen" neues Material für die Teppichgeschichte 
beigebracht worden ist. Es besteht aus bildlichenWiedergaben und aus Fund- 
stücken. Ich bilde einen Ausschnitt der Fresken der Tempelanlagen aus 
Bäzäklik ab, der mir besonders aufschlußreich erscheint (Abb. 1)."! Mit Le 
Coq sehe ich in dem Fußbodenstreifen unbedingt einen Teppichläufer, denn 
der ganze naturalistische Stil der Fresken bedingt die Angabe des Fußpunktes. 
Zudem ist kein I-Iängemuster wiedergegeben, sondern die Bogen stellen in der 
bekannten chinesischen Stilisierung Wasser vor. Für Wirk- oder Filzarbeit ist 
das Muster in seiner Kleinteiligkeit gleicherweise ungeeignet, so daß Knüpf- 
arbeit als hinlänglich gesichert gelten kann. Denn das Muster gibt sich derart, 
daß man an eine freie Schöpfung des Malers nicht glauben möchtej- In diesem 
Zusammenhange gewinnt dann der Steinsche Fund zweier Stückchen eines 
Knüpfteppichs - er sagt, seine Technik gleiche der der billigen japanese rugs, 
die eben in Knüpftechnik gefertigt werden -- seine volle BedeutungrH Er 
fand sie in dem Hause, aus dem er auch die chinesischen Seidenballen zog, die 
er in die ersten Jahrhunderte nach Christus datiert. Die Fundstücke ergeben 
für Zentralasien den frühesten sicheren Nachweis der Knüpftechnik und 
stützen damit meine Interpretation der Nachbildung in Bäzäklik. 
Es ist nichts bekannt, was erlaubte, für das nichtperipherische China die 
Erfindung oder die Ausübung der Knüpftechnik in Anspruch zu nehmen. Nach 
China aber weist die Ornamentik des Teppichs unmittelbar; zeigt er doch, 
wie wir sahen, ein ausgesprochen chinesisches Motiv. Diese chinesierende 
Musterung braucht jedoch nicht mehr zu bedeuten als den Beweis eines er- 
littenen Kunsteinflusses. Und solche Abhängigkeit von einem höherstehenden 
Kulturkreise war es auch, die sich uns bei der theoretischen Betrachtung 
der Knüpftechnik an sich als Voraussetzung ergab. Und so dürfte bei dem 
gegenwärtigen Stande der Kenntnisse die Vermutung ihrer autochthonen 
Entstehung in Turkestan unter chinesischer Beeinüussung, aber auf persi- 
schen Grundlagen, die ansprechendste genannt werden können. 
Die Verbreitung der Knüpfteppiche über die Erde ist zu merkwürdig, 
als daß sie nicht spontane Entstehung als äußerst unwahrscheinlich erscheinen 
' „Altai-lran und Völkerwanderung" (Leipzig 1917), Seite x55 h". 
"' In den Veröffentlichungen über Pelliots Arbeiten habe ich nichts Hiehergehöriges finden können. 
u" A. von Le Coq. "Chotscho" (Ergebnisse der königlich Preußischen Turfanexpeditionen, Berlin xgxg), 
Taf. 30b (Ausschnitt). 
1' Die von Strzygowski und dann von H. Glück (in dieser Zeitschrift, XXIII, Seite 5) wiedergegebene 
Teppichdarstellung aus Bäzäklik erscheint mir als ein nicht einwandfreier Zeuge. Da sein Ornament, wie auch 
Strzygowski selbst bemerkt. sich auch sonst in den Fresken als Reihenmuster verwendet findet, kann es als 
einer dem Maler geläufigen Konvention entsprungen anzusehen sein. 
ff M. A. Stein, "Ruins cf desert Cathay" (London 19m), I, Seite 380 i, siehe auch Seite 275. -_ Gleich- 
artige Fundstücke verwahrt sicherem Vernehmen nach das Berliner Völkerkundemuseum noch unpubliziert aus 
den Turfan-Funden.
	        

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