MAK

Volltext: Monatszeitschrift XXIV (1921 / Heft 1, 2, 3 und 4)

Beispiel die der Sarten in Bocharal - denen der sonstigen Textilarbeiten 
ganz entgegengezetzt sind oder in denen sich nur die Teppichmuster in weit 
voneinander gelegenen Gebieten verwendet finden. Gerade im letzten Punkte 
müßte man klar sehen können, denn er könnte wichtige Hinweise für die 
mittelalterliche Frühgeschichte des orientalischen Teppichs enthalten. Das 
Stufenornament, auf das ich vorhin beim Turkmenenteppich verwies, ist zum 
Beispiel in rumänischen Teppichen sehr gebräuchlich. Das ist deswegen sehr 
interessant, da ein ethnischer Zusammenhang ausgeschlossen, anderseits eine 
Vermittlung durch den Islam äußerst unwahrscheinlich ist; denn der EinHuß 
der islamischen Kunst beschränkt sich in Rumänien auf Werke, die der 
obersten Kulturschicht ihre Entstehung verdanken. Es liegt also vermutlich 
dem gleichen Omamentrnotiv Verschiedenes zugrunde; und damit begegnen 
wir einem byzantinischen Problem auch in der T eppichgeschichte. Denn in 
der byzantinischen Kunst, deren Seitensproß die rumänische ist, ist das Motiv 
heimisch. 
Abbildung 5 gibt einen Ausschnitt aus einer arabischen Miniatur vom 
Jahre 1223." Der Teppich, auf dem der Lehrer sitzt, ist nach allem, was wir 
wissen, kein ad hoc entstandener orientalischer Teppich. Technisch stellt er 
sich als keine Knüpfarbeit dar; die Musterung mit zusammengehaltenen 
geradlinigen Formen, wie das Schnuromament deuten auf Wirkerei. Und 
dem Formenschatze nach ist er keine rein islamische Arbeit, sondern eine 
byzantinische oder eine Kopie nach einer solchen. Er ist nicht abgepaßt mit 
Rand gearbeitet, sondern von einem Stücke mit fortlaufendemMuster, in dem je 
zwei Reihen Quadrate mit Andreaskreuzen altemieren mit einer von Schnüren 
eingefaßten Scheibenreihe, ist soviel benutzt, wie erforderlich ist, um den 
Boden zu bedecken. Sollte selbst keine Vorlage ganz getreu wiedergegeben 
sein, so zeigt das Bild doch, wie sich der Maler einen Teppich vorstellte. 
Stellen wir nun die Frage nach dem üblichen Aussehen byzantinischer 
Teppiche, so muß die Antwort für diese Vorläufer des heutigen orien- 
talischen Teppichs sehr unbestimmt lauten. Sie scheinen in Byzanz eine 
erstaunlich geringe Rolle gespielt zu haben, wenigstens fehlen Abbildungen 
ausgesprochener Teppiche in den Miniaturen auch der mittelbyzantinischen 
Zeit ganz. Das läßt darauf schließen, daß die Art, die wir in islamischer 
Wiedergabe sahen, die gebräuchliche war. Und doch scheut man zunächst 
vor dieser Folgerung zurück. Denn man hätte a priori vermuten mögen, 
daß manche der frühen Tierteppiche, die W. Bode aus italienischen Bildern 
des XIV. Jahrhunderts zusammengestellt hatfh" auf byzantinische Vorbilder 
zurückgehen; vor allem aber, daß die strenge geometrische Teilung, die die 
auf Kleinasien zurückgeführten Teppiche zeigen, da sie nun einmal nicht 
"' Die von den sogenannten Nomademeppichen gestellten Probleme sind bisher am schärfsten in der 
Einleitung des Bogolubow-Werkes erkannt. 
"' Berlin, Kaiser Friedrich-Museum. 
4 "i" "Onentallxsehe Teppiche, herausgegeben vom k. k. Österreichischen Handels-Museum" (Wien 1892), 
Seite X f. „Vordernsiansche Knüpfrepprche" (Leipzig 0.1.), Seite x 14. „Altpersische Kllüpffgppicheu (Berlin l 904) 
Seite 26. ,
	        

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