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Volltext: Monatszeitschrift XXIV (1921 / Heft 1, 2, 3 und 4)

 
durch literarische Nachrichten noch durch Denkmäler etwas bekannt. Es ist 
merkwürdig, daß bisher niemand angesichts dieser Umstände Anlaß nahm, 
die Berechtigung der allgemeinen Ansicht nachzuprüfen. Mir fiel es auf, daß 
diese persischen Gartenteppiche gerade auch in einer Zeit auftauchen, in der 
ihre Tendenz zur Gliederung sich auch sonst in den Teppichen ausspricht." 
Die hohe künstlerische Stufe, auf der diese ganze Gruppe von Teppichen 
steht, machte es wahrscheinlich, daß wir gerade in ihr einmal das Verhältnis 
des in ihnen sich äußernden Stilgefühls zu dem der sogenannten hohen 
Kunst und dem allgemeinen der guten 
Gesellschaft würden erkennen können. 
Abbildung 6 gibt eine persische 
Miniatur aus dem jahre 1396"" wieder. 
Ein Fürst bei der Mahlzeit. Unruhe 
ist das Charakteristikum dieses Stiles. 
Wie der Fürst mit der Vertikale des 
Fensters hinter ihm aus der Mittel- 
achse des Blattes seitwärts verschoben 
ist, wie die Wände unruhig behandelt 
sind, wie jede leere Fläche vermieden 
ist, wie jede Horizontale überschnitten 
wird, wie die Schrifttafel in das Bild 
einschneidet, alles entspricht dem 
gleichen Geiste wie die heftige Be- 
wegung, mit der die Schüssel gereicht 
wird, oder wie der Lärm und das Ge- 
tümmel im I-Iofe. Da konnte der Tep- 
pich auch nur ungeliedert sein, rnußten 
Füllmuster die Fläche überwuchern. 
Abbildung 7"" führt uns etwa an- 
derthalb Jahrhunderte weiter. Überall 
Ruhe, Gliederung, Symrnetrie,wo eben 
das Gegenteil herrschte. Ich brauche nur auf das Zusarnmenfallen der betonten 
Mittelvertikale mit der Blattrnitte, auf die durchlaufenden Horizontalen, die 
Stille im Hofe, die gemessenen Bewegungen zu verweisen. Gliederung ist 
auch das beherrschende Gesetz für die Rückwand: sie enthält Nischen, in 
denen chinesische Gefäße stehen. Dem Prinzip der Gliederung, der Differen- 
zierung ist nun auch die Teppichmusterung unterworfen; ein großer Mittel- 
stem, kleine Eckbetonungen und dazwischen ein harmonisches Ranken- 
geschlinge füllen die Fläche. 
" Ich glaube nicht, daß Fr. Sarre recht hat, wenn er die sogenannten Darnaskusteppiche als eine Weiter- 
bildung der Gartenteppiche ansieht („Der Kunstwanderer", II, xgzo. Seite 447). Ich fasse sie als einen Mischtypus 
auf, der die „rnndernen" persischen Teppiche, die in freier Gliederung Mitte und Ecken der Spiegel betonen 
(Abb. 7), mit geometrischen Gebilden nachzuahmen sucht. Ihre Färbung scheint nrir eine Entstehung in Vorder- 
asien auszuschließen. 
3' F. R. Martin, „The mininture painting etc." (London, 1912) II, pl. 47. 
"" H. R. A. Allemagne, „De Khoressan au pays des Bakhtiaril" (Paris rgn), II, nach Seite 46. 
 
Abb. B. Ispahan, Gartenanlage. Um 1600
	        

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