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Volltext: Monatszeitschrift XXIV (1921 / Heft 1, 2, 3 und 4)

vielberufenen sogenannten Napoleon-Schreibtisches durch Alois Riegl im 
Kongreßwerke hat diesem Stücke zu seinem Ansehen verholfen. Wenn es 
auch selbstverständlich nicht zu den Aufgaben des Staates gehört, die Auk- 
tionsehancen einer Privatsammlung zu steigern, so hat doch die Tatsache, 
daß die Regierung ein so großes Interesse an der Sammlung bekundete und 
sie der Öffentlichkeit zu erhalten bemüht war, der nach dem erfolgten Aus- 
gleiche freigegebenen Versteigerung außerordentliche Vorteile gebracht und 
der Stadt Wien in dieser an Auktionssensationen so reichen Zeit ein Ereignis 
ersten Ranges verschafft, bei dem eine sehr beträchtliche Vermögensabgabe 
zugunsten öffentlicher Interessen erfolgt ist. Gänzlich unberechtigt sind aber 
die mehrfach gemachten 
Äußerungen, daß die 
Sammlung nur deshalb 
dem Staate zur Gänze 
entging, weil sein Not- 
stand ihre Erhaltung 
unmöglich erscheinen 
ließ. Wäre die Erhal- 
tung der Sammlung un- 
bestritten geblieben, so 
würden laut Testament 
auch die Mittel zur Ver- 
fügung gestanden sein, 
sie ordnungsgemäß zu 
verwalten. Das war ja 
aber eben strittig und 
so hat die Regierung 
- in richtiger Wahrneh- 
Aus der Party-Sammlung. Kommode, französisch (z), mung der öffentlichen 
Früh-Empire (Österr. Museum) Interessen einen vor_ 
teilhaften Ausgleich einem unsicheren Prozesse vorgezogen. 
Die Bedeutung der Kollektion von 42 Objekten, welche dieser Ausgleich 
mit den Erben und mit den Käufern des Palais und der Sammlung den Staats- 
sammlungen zugeführt hat, liegt nicht in ihrer Zahl, sondern in ihrer ausge- 
suchten Qualität. War die Sammlung nicht als Ganzes an Ort und Stelle zu 
erhalten, so mußte Gewicht darauf gelegt werden, daß die dem Staate abzutre- 
tenden Stücke durch ihre Besonderheit hervorragen und empfindliche Lücken 
des öffentlichen Kunstbesitzes aufs beste ausfüllen. Die ursprüngliche Liste der 
Forderungen ging natürlich weiter als die Liste der nach langen schwierigen 
Verhandlungen erreichten Zugeständnisse. Hiefür war nicht nur taktische 
Erwägung maßgebend, sondern der natürliche Wunsch, den Absichten des 
Erblassers zu entsprechen, welcher die Sicherung alles Vorbildlichen (Vor- 
bild nicht als Muster für Kopien, sondern als typische Repräsentation aus- 
gesuchter Vorzüglichkeit verstanden) für die Erkenntnis des Empirestils im 

	        

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