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Volltext: Monatszeitschrift XXIV (1921 / Heft 1, 2, 3 und 4)

denn sie läßt deutlich erkennen, wieviel man im Laufe der Jahre zugelernt hat und wie 
doch immer wieder neue junge Elemente zu den alten stoßen, die einelangsame Verjüngung 
bewirken. Die Zeit hat auch unerbittlich jene innerlich leeren großen Schildereien entfernt, 
die früher den Schaustellungen das äußerliche Gepräge gaben. Und wenn diesmal eine 
Reihe der tüchtigen Arbeiten von Sturm-Skrla, ein gutes Porträt von janesch und andere 
Werke frischer und jünger empfundener Art eingefügt sind, ohne den intimeren oder konser- 
vativeren Arbeiten der Mehrzahl zu schaden, so bedeutet das schon einen sichtbaren 
Erfolg des Fortschrittes. An Versuchen der Plastiker fehlt es dabei nicht, expressionistische 
Kühnheit mit gefälliger Technik zu dämpfen. 
Das maßvolle Tempo des Fortschreitens wird im Stockwerk von der Kunstschau 
ganz außer acht gelassen. Hier ist alles nervöses und suchendes, auch sprunghaftes 
Schaffen, das manchmal nur leider zu sehr den tragfähigen Boden verliert. - 
Der Mittelraum ist vorwiegend von der Wiener Werkstätte beherrscht und mit Genug- 
tuung sieht man wieder dem kunstgewerblichen Schaffen eine größere Geltung gegeben. 
Die acht Vitrinen angewandter Kunst bergen eine Fülle reizvoller Werke, die in anmutigster 
Form gezeigt werden. Das getriebene Metall bildet den Mittelpunkt und betont am deutlich- 
sten jene besondere Note, welche die führenden Künstler der Werkstätte jetzt bevorzugen. 
In der Abwendung von der vornehmen Einfachheit und strengen Zweckmäßigkeit 
der Gestaltung und dem Eindringen einer mehr persönlichen und phantasievollen Form- 
gebung, die ein ungebundenes Spiel bedeutet, liegt Vorzug und Nachteil des jüngsten 
Kurses. Die künstlerische Freude am Gestalten hat ebenso wie das unbeengte Aus- 
leben persönlicher Eigenart an Einiiuß gewonnen und den Gestaltungszweck auf die Seite 
geschoben. Was der einzelne dadurch an Ausdrucksmöglichkeit gewann, wird der Stand- 
festigkeit und Wurzelkraft der allgemeinen Betätigung entzogen. Ganz auffallend ist 
dies sogar auch bei der Keramik zu merken. Das geistreiche Experiment und das unbe- 
kümmerte Formenspiel entfernen die Künstler immer mehr von der breiteren volkstüm- 
lichen Grundlage, der sie einst so zugeneigt waren. Das was der Graphik und Malerei stets 
gerne zugebilligt wird, darf der ewig an Gebrauch und Zweck 
gebundenen angewandten Kunst nicht immer gestattet sein. 
Bei den Arbeiten aus edlem Schmuckmaterial und den 
Textilien zeigt sich naturgemäß die größte Unabhängigkeit; 
sie nähern sich ja auch berechtigterweise dem schillernden 
Apparat der Mode, dem Wechsel und Spiel stets natürliche 
Faktoren sind. Peche ist hier am erfolgreichsten tätig. 
In der farbigen Graphik liegt auch heute noch eine Stärke 
der Gruppe von Künstlern, die das Flächenhafte und die heitere 
Buntheit so gut beherrschen. In der Großplastik versagt aber 
wohl ganz der ornamentale kunstgewerbliche Zug. Das Archäi- 
sierende tritt stärker hervor als die Beherrschung der selbst- 
gewählten Probleme vertragen kann. Von der Gruppe der 
Maler, die so starke Begabungen einschließt und die bei ihrem 
letzten Auftreten so hohe Ziele erstrebte, ist Faistauer auch 
diesmal mit der größten Zahl und den abgerundetsten Arbeiten 
vertreten. Er hat an Formsinn gewonnen. Seine Palette hat 
sich dabei vom abgestimmten Tiefton merklich entfernt. Das 
farbenfreudige Nebeneinander interessanter Tonwerte ist zum 
herrschenden Grundzug vieler jüngerer Arbeiten geworden. 
Der Pinsel weicht der wirksameren Spachtel und der Farben- 
rausch verschlingt alles Gegenständliche bis zum Vergessen 
der Dinge. Daß solche Atelierkunst in der Skizze zumeist schon 
_ _ _ _ _ _ _ _ _ Aus der Pälffy-Sammlung. 
die Vollendung erblickt, ist ein Zeichen der Zeit, die in ihrer potpou„;.v,s,_ Wien, m03 
Unrast und Hast mehr das Reizvolle als das Bleibende sucht. (Österr. Museum) 

	        
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