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Volltext: Monatszeitschrift XXIV (1921 / Heft 1, 2, 3 und 4)

 
Fig. 3. Westfries, Gruppe lI (m-vxg) 
frieses sich nach linkshin, die südliche rechtshin sich entwickeln zu lassen; 
aber, nicht nur leicht wäre das gewesen; es hätte auch einen leichtfertigen, 
leichtsinnigen Eindruck gemacht; die Plastik hätte sich gefällig als nur 
dekorativ-omamentale Zier der Architektur untergeordnet: der Bildhauer 
Phidias dachte größer von der ihm besonders eigenen Kunst! So konnte er 
die Westseite seines Cellafrieses nicht zentral komponieren, was den Eindruck 
der Ruhe, das Erreichen eines Zieles bedeutet hätte; das war beim Ostfries 
dann eher am Platze, nicht hier, wo die Bewegung des ganzen Festzuges 
erst ihren Anfang findet; hier rnußte er anders verfahren - und in anderem 
Sinne „bedeutsam" wird uns sein drittes Pferd später erscheinen. 
In diesem Sinne, daß am Westfries sich deutlich alle beginnende Be- 
wegung in der einen Richtung nach Norden, linkshin ausprägen soll, ist denn 
auch die nächste, die Mittelgruppe komponiert (Fig. 3): sie umfaßt die Figuren 
robis I9, welch letztere als sinnfälliger Markstein an den Schluß dieser Reihe 
gestellt erscheint. Während alle neun Reiter mit unendlicher, geistreicher 
Abwechslung in allen Einzelheiten, worauf heute hier nicht näher ein- 
gegangen werden kann, das unaufhaltsame „Vorwärts" vor Augen stellen, 
steht die Figur 19 plötzlich dreifach still: sie ist nach Süden rechtshin ge- 
wendet, zeigt eine fast vollkommene Wiederholung des zweiten Reiters 
dieser Friesseite, und hat kein zugehöriges Pferd! Durch all das wirkt diese 
Figur prägnant als „Lücke", als Cäsur, deutliche Trennungslinie zwischen 
zwei in sich abgeschlossenen Gruppen, weit davon entfernt ein müßiger 
Lückenbüßer zu sein! 
Eine dritte Gruppe von Gestalten (20 bis 30) bringt den Westfries dann 
nordwärts zum Abschluß (Fig. 4): neben sechs Reitern fünf Figuren zu Fuß, 
einzelne Motive, Gruppen aus dem ersten und zweiten Teil des Westfrieses 
wiederholt, aber alles immer mit denkbarster absichtlicher Abwechslung in 
allen Details. Auch in diesem Teil wird in deutlicher Weise durch die acht 
linkshin bewegten Pferde das Fortschreiten des Zuges betont, trotz der fünf 
vertikallinigen stehenden Figuren; dadurch, daß die Mittelgruppe (I0 bis I9) 
hauptsächlich das bewegende Element bildet, die Gruppen 1 bis 9 und 20 
bis 30 es ruhiger umrahmen, entspricht der Westfries vollkommen seiner 
doppelten Aufgabe: als zwar erster Teil des gesamten Cellafrieses richtig an 
seinem Platze zu wirken, und doch auch als in sich abgeschlossene Kompo- 
sition zu Recht zu bestehen. Beides wird noch besonders durch die äußersten 
Flügeliiguren versinnbildlicht: sie stehen prächtig aufrecht neben den archi- 
tektonischen Ecken der Friesblöcke, wie die äußersten vertikallinigen La- 
pithen der Südmetopen I und XXXII; und sie zeigen das Weiterschreiten des
	        

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