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Volltext: Monatszeitschrift XXIV (1921 / Heft 1, 2, 3 und 4)

gesetzt, das dem Wesen der Graphik völlig entspräche, die ihrem Ursprunge nach wenn 
nicht Volkskunst, so doch volkstümliche Kunst ist. _ 
Ungebeugt durch das harte Schicksal, das über Deutschösterreich und Wien herein- 
gebrochen ist, soll aus ihm die ernste Lehre gezogen werden, daß aus der großen Not 
dieser Zeit, die nicht nur eine wirtschaftliche, sondern vor allem eine sittliche und geistige 
Not ist, die alle Völker und Länder belastet, nur die Pflege idealer Mächte herausfihren 
kann, wie sie in Kunst und Wissenschaft und in weiter Verbreitung der Kultur liegen. 
Dann wird der trüben Gegenwart eine bessere, liehtere Zukunft folgen. Bei allem, was die 
„Gesellschaft für vervielfältigende Kunst" unternimmt, auch dann, wenn niemand mehr am 
Werke ist, der an Leopold Wiesers Liebe zur Sache, Kraft, Wagemut und Willensstärke 
sich persönlich ein Vorbild nehmen konnte, möge sein Geist nachwirkend lebendig sein! 
E. L. 
IE ESTENSISCI-IE KUNSTSAMMLUNG. I. SKULPTUREN UND 
PLASTIKEN DES MITTELALTERS UND DER RENAISSANCE." 
Es ist auf das freudigste zu begrüßen, daß die Leitung des ehemaligen Wiener Hof- 
museums die systematische Veröffentlichung ihrer reichen Schätze fortsetzt und nun einen 
Band vorlegt, der den christlichen Bildwerken der weiland dem Erzherzog Franz Ferdinand 
gehörigen Estensischen Kunstsammlung gewidmet ist, die zum größten Teile Unbekanntes 
birgt. Die meisten der beschriebenen Werke stammen aus der früher im Schlosse Catajo 
bei Padua aufgestellt gewesenen, im letzten Viertel des XVIII. Jahrhunderts zusammen- 
gebrachten Sammlung des Marchese Tomaso degli Obizzi, der dieselbe im Jahre x8o3 
testamentarisch dem Herzog Ercole III. von Modena vermachte. 
Der beschreibende Katalog rührt von Leo Planiscig her, dem die Verwaltung der 
Sammlung seit beinahe einem Jahrzehnt übertragen ist. Und völlige Vertrautheit mit der- 
selben spricht aus dem sorgfältig gearbeiteten wissenschaftlichen Katalog, dem neben der 
vollkommenen Beherrschung der Materie die ausführlichen Literaturangaben, Vergleiche 
und Verweise auf Verwandtes besonderen Wert verleihen. So tritt dieser Band ebenbürtig 
neben die Skulpturenkataloge der Museen zu Berlin (Voege), Nürnberg (Josephi), Stuttgart 
(Baum) und Wien (Schlosser), denen sich hoffentlich auch in absehbarer Zeit der des 
Münchner Nationalmuseums von Halm anreihen wird. 
Es wurde bereits darauf hingewiesen, daß die Sammlung bisher wenig bekannt war. 
I-LJ. Hermann hat zusammen mit Egger seinerzeit in der Zeitschrift für bildende Kunst _ 
einige der Hauptwerke der Antike und der italienischen Renaissance abgebildet und 
besprochen und die reiche Fülle an venezianischen Skulpturen des XIV. Jahrhunderts 
haben Leo Planiscig die Grundlagen für seinen ergebnisreichen wertvollen Aufsatz irnJahr- 
buch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses, XXXIII, geliefert. 
Auch eine zweite Arbeit des Verfassers „Randglossen zur venezianischen Bronzeplastik 
der Hochrenaissance", ebenda, XXXIV, baut sich auf wichtigem Material aus derselben 
Sammlung auf. 
Nach den neuerdings für derartige Sammlungskataloge eingeführten Grundsätzen ist 
jedes Stück illustriert, und zwar die Skulpturen im weiteren Sinne durch vortreffliche Text- 
klischees, die Plaketten aber durch ausgezeichnete Lichtdruckbilder auf 37 Tafeln. 
Besonders die Plaketten der Estensischen Sammlung - es sind im ganzen 215 Stück, zumeist 
italienische des XV. und XVI. Jahrhunderts, aber auch einige gute deutsche Güsse - sind 
mustergültig publiziert und lassen uns mit berechtigter Spannung das lange schon von 
Planiscig vorbereitete Corpus der italienischen Plaketten erwarten. 
Die Anordnung der Werke hat der Verfasser chronologisch vorgenommen und dabei 
folgende Gruppen zusammengezogen: I. Das frühe Mittelalter, II. Venezianische Skulpturen 
' Bearbeitet von Leo Planiacig. Band I der Publikationen aus den Sammlungen für Plastik und Kunst- 
gewerbe des Kunsthiatorischen Museums in Wien, herausgegeben von Juliua Schlauer. Mit 25x Abbildungen und 
31 Lichtdrucken. Kunatverlag Anton Schroll ü Cm, Wien, 1919.
	        

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